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    <title>Radio Vatikan - Clips-GER</title>
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      <title>20 Jahre Mauerfall: Verdienste „christlicher Aktivisten“</title>
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      <description>00:15:17:98  „Urbi et Gorbi“. So überschreibt der Journalist Joachim Jauer seinen persönlichen Rückblick auf die umstürzenden Ereignisse 1989. 20 Jahre nach dem Mauerfall und dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs betont der langjährige ZDF-Korrespondent für Ost-Berlin und Osteuropa, sein Nachdenken sei „keine verklärende Rückschau, sondern noch immer Staunen über diesen einmaligen Gang der Geschichte“. Christen waren für ihn „Wegbereiter der Wende“, das zeitgleiche Auftreten von Michail Gorbatschow und Karol Wojtyla auf der Weltbühne mutet für Joachim Jauer „wie ein Wunder an“. Birgit Pottler hat zum Mauerfall-Jubiläum mit dem Journalist und Autor gesprochen.


Joachim Jauers Büro lag 1989 in Wien. Rechtzeitig habe er es nach 20 Jahren innerdeutscher Arbeit „für Drüben“ geschafft, als Korrespondent für ganz Osteuropa die Auswirkungen von Gorbatschows Programm „Glasnost und Perestrojka“ in den Ländern des Warschauer Pakts zu beobachten.

„Das wahrscheinlich wichtigste Erlebnis war für mich der 2. Mai 1989, als ich vom Außenministerium der Volksrepublik Ungarn überraschend gebeten wurde, mich morgens um acht an der österreich-ungarischen Grenze einzufinden. In einer Zwergschule fand eine Pressekonferenz statt, wo Spitzen des ungarischen Militärs den versammelten Journalisten einfach mitteilten, man hätte kein Geld, um den verrosteten Eisernen Vorhang zu reparieren. Er werde abgerissen und die Bevölkerung werde aufgerufen, dabei mitzuhelfen.“

Aufgewachsen ist Joachim Jauer, geboren 1940, in der Berliner Wollankstraße. Ab 1945 verlief hier die Zonengrenze, 1961 wurde die Straße zugemauert. Die Monate von Aufbruch und Wende 1989 waren für Jauer also nicht nur Nachrichten-Stoff. 

„Nun plötzlich stand ich zwischen den rostigen Stacheldrahtwänden im Frühjahrsregen und sah wie links und rechts neben mir Soldaten der ungarischen Armee mit großen Bolzenschneidern den Stacheldraht entfernten also den Eisernen Vorhang abbauten. Ich habe damals, spontan, weil wir nur sehr kurze Drehzeit hatten, sehr schnell formuliert, und es war der wohl folgenreichste Satz meiner journalistischen Laufbahn: Heute endet hier die 40 Jahre alte Teilung Europas in Ost und West. Und das wird, so sagte ich, unabsehbare Folgen haben für Europa, für Deutschland und insbesondere für die Deutsche Demokratische Republik. Kein Wunder: Ein paar Wochen später war Budapest voll von Rucksacktouristen aus der DDR.“

Ungarn habe als erstes gespürt, „dass die Menschen das alte System satt haben“. „Hier setzt sich etwas in Bewegung, was nicht mehr aufzuhalten ist“, fasst Jauer seine Ahnung vom Frühsommer 1989 zusammen. „Dass das später in den Mauerfall dieser Form am 9. November mündete, habe ich natürlich nicht gewusst.“

Das Thema Reisefreiheit und Familienzusammenführung war jahrzehntelang einer der zentralen Konfliktpunkte zwischen Bonn und Berlin, Reisefreiheit war eine der zentralen Forderungen der Bürger in den Monaten vor dem Mauerfall. In seiner Zeittafel des Aufbruchs Ost geht Jauer weiter zurück. Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die Unterzeichnung der Schlussakte mit Vereinbarungen über die Menschenrechte am 1. August 1975 nennt Jauer auch in seinem Buch als ersten Punkt. 1973 wurde die DDR in die UNO aufgenommen. Damit konnten sich auch DDR-Bürger auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte berufen, um legal das Land zu verlassen. Die Teilnehmerstaaten der 1975er KSZE-Konferenz in Helsinki verpflichteten sich, Anträge auf Familienzusammenführung über die Blockgrenzen hinweg „so zügig wie möglich“ zu behandeln und „schrittweise die Verfahren für die Aus- und Einreise zu vereinfachen und flexibel zu handhaben“. Nach der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki machte der Ostblock Zugeständnisse.

„Der KSZE-Prozess hat für Bürger in diesen Ländern eine wesentliche Möglichkeit eröffnet, auf ihre Menschenrechte zu pochen. In der DDR war insbesondere für die Menschen spürbar das Menschenrecht der Reise und der Ausreise verletzt. Das begann langsam. Ich war damals ja auch Korrespondent in der DDR, und es sind viele Menschen in unser ZDF-Büro in Ostberlin gekommen und haben nach einer solchen Ausreise gefragt. Es war natürlich nicht meine Aufgabe, sie zu beraten, aber trotz der Wanzen überall haben wir uns auf Zetteln darüber verständigt, oder ich habe sie in die Ständige Vertretung der BRD gebeten. Nach einer gewissen Zeit hörte das auf, da die Ständige Vertretung von Staatssicherheit belagert war. Aber: Die Leute haben ab 1975 in steigendem Ausmaß auf die Rechte der KSZE, Korb 3, gepocht.“

Die KSZE-Schlussakte war in drei so genannte Körbe gegliedert: ein Prinzipienkatalog, Vereinbarungen zur Zusammenarbeit in Bereichen wie Wirtschaft, Wissenschaft und Technik und drittens die Zusammenarbeit in humanitären Fragen. Korb 3 wurde Grundlage für Dissidenten und die Arbeit der Menschenrechtsorganisationen, darunter die Bürgerrechtsbewegung in der DDR, und trug damit zum Zusammenbruch des Ostblocks bei, war sozusagen ein erster Baustein für das neue Europa.

Öffentlich bemerkbar machten sich oppositionelle Gruppen erst in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, „fast ausschließlich unter dem Dach der Kirchen“, so Jauer. Kirchen waren offen für Veranstaltungen, für Auftritte von Schriftstellern und Liedermachern, die im staatlichen Bereich so nicht möglich waren. Jauer lobt hier vor allem die Verdienste der evangelischen Kirche.

„Das zweite Verdienst der evangelischen Kirche war, dass sie auf ihren Synoden die Tabus des DDR-Alltags öffentlich benannt hat: Erziehung zum Hass, vormilitärische Ausbildung, Ausreise, Flucht usw. Wir haben das als Fernsehkorrespondenten aufgezeichnet und vom Westen aus zurück in die DDR überallhin verbreitet. Das dritte Verdienst war: Auf den Synoden wurde demokratisch diskutiert. Es traten Kandidaten gegeneinander und es wurde geheim gewählt. Das war im Kleinen praktizierte Demokratie und so ist es zu erklären, dass so viele evangelische Pfarrer im Verlauf der Wende und nach der Wende an Runden Tischen saßen und später in die Politik gegangen sind.“

Die Mauer fiel im November 1989, der Vorhang begann einige Monate zuvor zu reißen, doch der Umsturz begann ein Jahrzehnt zuvor. Journalist Jauer erinnert nicht nur an den Besuch Johannes Pauls II. in Polen und die Solidarnosc-Bewegung sondern auch an den – wie er sagt – „prophetischen Appell“ bei der Amtseinführung 1978; einen „bis heute frappierenden Satz“:

„Habt keine Angst, öffnet die Grenzen der Staaten und Gesellschaftsordnungen für Christus und seine rettende Macht und damit für die Freiheit. Dieser Satz, den wir damals möglicherweise zur Kenntnis genommen haben, aber wahrscheinlich für einen sehr wunderbaren aber illusionären bis utopischen Satz gehalten haben, dieser Satz hat sich zehn, elf Jahre später verwirklicht.“

Jauer spricht von einem Wunder: Der polnische Papst habe Menschen zum Abschied vom Kommunismus angestiftet, der sowjetische Generalsekretär habe das geduldet. Der eine habe die Wende angestoßen, der andere sie zugelassen. Getroffen haben sich die beiden erstmals am 1. Dezember 1989. Jauer sagt nach vielen Gesprächen mit Experten und Vertrauten:

„Gorbatschow hatte darauf bestanden, dass dieses Treffen unter vier Augen stattfand. Der Papst hat dafür eigens als alter Herr seine Russisch-Kenntnisse wieder aufpoliert, damit er mit ihm wirklich reden konnte. Beide mögen sich getroffen haben in dem Austausch ihrer Erfahrungen in der Zeit des Kommunismus: Johannes Paul II., der unter den Nazis als junger Mann hatte Zwangsarbeit leisten müssen und später als Priester und Bischof von Krakau sich mit den Kommunisten herumschlagen musste, auf der einen Seite und Gorbatschow auf der anderen Seite, der darauf hinweisen konnte oder es vielleicht getan hat – wir wissen ja nicht, was sie miteinander gesprochen haben – dass Schwiegervater und Großvater durchaus die Repressalien des Stalinismus hatten erdulden müssen.“

Auch inhaltlich unterstreicht Jauer Anknüpfungspunkte:

„Johannes Paul II. war angetreten, in den Ländern des Kommunismus ,Wandel durch Wahrheit’ zu schaffen. Der Begriff der Wahrheit war für ihn sehr sehr wichtig; ,Wandel durch Wahrheit’ also. Gorbatschow hatte vor seinem Besuch bei Johannes Paul auf das Monopol der Wahrheit durch die Kommunisten öffentlich verzichtet. Gorbatschow hatte zudem die Formel ,Glasnost und Perestrojka“, was man auch übersetzen kann mit „Wahrheit und Wandel“. Diese Begriffspaare sind zwar nicht deckungsgleich – ,Wandel durch Wahrheit’ und ,Wahrheit und Wandel’ – , aber es sind offenbar Schnittmengen da, über die sich die beiden Herren sehr einverständig haben zusammensetzen können.“

Nach der Wende entwickelten Gorbatschow und Johannes Paul II. ein freundschaftliches Verhältnis. Dass der ehemalige Machthaber der Sowjetunion 1990 den Friedensnobelpreis erhielt und der polnische Papst nicht, hält Jauer nicht für öffentliche Zurückhaltung gegenüber dem Kirchenoberhaupt. Vielmehr sei mit Gorbatschow der Gesamtvorgang ausgezeichnet worden.

Kritik übt Joachim Jauer am „Erinnerungsmarathon“ der vergangenen Wochen. Nationale Nabelschau sei verfehlt, auch europaweit müsse der friedlichen Revolution und des Umsturzes in ganz Europa gedacht werden. Die Verdienste der Nachbarländer Polen und Ungarn, die Verdienste von Vorkämpfern wie Vaclav Havel in der Tschecheslowakei und die Verdienste „christlicher Aktivisten“ sieht Jauer in den Festakten „eher unterrepräsentiert“.

„Die Solidarnosc-Bewegung ist ohne Johannes Paul II. natürlich nicht vorstellbar, also ohne die Unterstützung der katholischen Kirche, die ja gleichzeitig immer polnische Identität gestiftet hat. Ohne diesen Geist, der ja christliche Wurzeln hat, ist auch der Begriff Solidarität, der ja sozusagen  die politische Übersetzung von Nächstenliebe ist, überhaupt nicht zu begreifen. Ich habe gerade erfahren, dass die DDR-Flüchtlinge – etwa 6.000 die in Polen waren, von denen fast niemand redet – in Ferienheimen der Solidarnosc untergebracht waren und wie Gäste behandelt wurden. Tadeusz Mazowiecki, der erste frei gewählte polnische Ministerpräsident 1989, ein katholischer Publizist, hat gesagt, das sei das Dankeschön der Polen gewesen für die vielen vielen Pakete, die von deutschen Kirchengemeinden in der Zeit des Kriegsrechts von 1981 bis 1983/84 nach Polen geschickt worden sind. Rechnerisch hat wohl jede polnische Familie von einer deutschen Familie ein Paket bekommen. Dieser Geist war es, der sozusagen zum Umbruch geführt hat auf der einen Seite.“

Auf der der anderen Seite berichtet der langjährige Korrespondent vom Einsatz Einzelner. Aus Ungarn zum Beispiel von der katholische Malteserfrau Csilla von Boeselager,

„die auf eigenes Risiko das erste Flüchtlingslager, die erste Aufbewahrungsstätte, den ersten Freiraum für DDR-Flüchtlinge in Budapest gebaut hat; ringsum die katholische Kirche zur Heiligen Familie auf dem Kirchengelände dort. Draußen hat sie ein Schild angebracht: Malteser-Caritas-Dienst. Caritas bedeutet auch wiederum Nächstenliebe. Das sind Handlungsweisen christlicher Aktivisten, die in dieser Betrachtung, die wir gegenwärtig durchlaufen, häufig unter den Tisch fallen.“

Jauer lebte jahrelang in Ostberlin. Er selbst sagt rückblickend:

„Ich habe erlebt, wie die Menschen in der Diktatur sich verbiegen mussten, wie sie zwei Gesichter entwickeln mussten, einen Januskopf, ein Gesicht für das Private und ein Gesicht für das Offizielle, wie Kinder von Anfang an zum Lügen erzogen worden sind. Ich bin tief dankbar dafür, dass das zu Ende ist.“

Die Nacht des Mauerfalls erlebte Joachim Jauer wie viele Deutsche vor dem Fernseher. Er saß in seinem ZDF-Büro in Wien und hatte gerade geheim gedrehte Bilder verarbeitet, dass nun die Tschechen nahezu „entnervt“ auch die Grenze nach Bayern geöffnet hatten.

„Im Prinzip war damit die Mauer obsolet geworden. Das österreichische Fernsehen hat in der Nacht die Bilder aus dem deutschen Fernsehen übernommen. Einen persönlichen Eindruck vom Fall der Mauer habe ich einige Tage später gewonnen, als ich live ebenfalls in Wien gesehen habe, wie die Straße meiner Kindheit, die zugemauert war, langsam an einem Morgen geöffnet wurde und sich durch das Loch in der Mauer eine erste Hand streckte.“

(rv 07.11.2009 bp)
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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <title>Ägypten: Neuentstehung der Bibliothek vonAlexandrien</title>
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      <description>  00:03:04:18  Die Diplomatin Hagar Islambouly setzt sich für einen stärkeren kulturellen Dialog im Mittelmeerraum ein. Islambouly ist Leiterin der Außenpolitischen Abteilung der neuen, von der UNESCO begründeten „Biblioteca Alexandrina“. Bei einem Besuch in Rom meinte sie jetzt: 

„Die antike Bibliothek verschwand vor 1.300 Jahren von der Erdoberfläche – uns ist es gelungen, sie zurückzubringen nach Alexandria, als Beispiel mediterraner Kultur und Identität. Das paßt zum neuen Interesse an einem Dialog der Nachbarn im Mittelmeerraum; allerdings geht es in der 2008 gegründeten Mittelmeer-Union noch zu sehr um politische oder wirtschaftliche Fragen. Was fehlt, ist die kulturelle Seite.“

Islambouly kann keinen „Krieg der Zivilisationen“ erkennen, hat aber doch eine Frage an die europäische Seite des Mittelmeers.

 „Wenn von der Konfrontation mit dem Islam die Rede ist, dann will ich doch daran erinnern, dass der Koran sich auf Juden und Christen bezieht: Das ist Teil unserer islamischen Geschichte und sogar unserer Geschichten. Auch wir glauben an Moses und an Jesus! Aber wir können keine Angriffe auf große Gestalten des Glaubens dulden, die in Europa als „freie Meinungsäußerung“ durchgehen. Sie sollten für Moslems wie auch für Christen und Juden nicht angreifbar sein! Wie sollen wir denn unserem Volk erklären, dass im Westen Karikaturen unseres Propheten zirkulieren? Das können die Leute nicht verstehen! Wenn ihr in Europa von freier Meinungsäußerung sprecht, dann würden unsere Leute fragen: Wenn Antisemitismus in Teilen Europas unter Strafe steht, warum ist es dann erlaubt, den Propheten anzugreifen und zu karikieren?“

Die im letzten Jahr gegründete Mittelmeerunion sollte aus Islamboulys Sicht noch weitere Länder, etwa die Golfstaaten, aufnehmen; wie bei der „Biblioteca Alexandrina“ sollten auch in der MU „alle EU- und dementsprechend auch alle Südländer“ mit im Boot sein. Frau Islambouly hofft, dass die „Biblioteca Alexandrina“ eine „Drehscheibe für einen starken kulturellen Dialog im Mittelmeerraum“ wird, und appellierte an Europa, im Nahostkonflikt eine stärkere Rolle zu übernehmen: „Ihr seid unsere Nachbarn, ihr kennt uns am besten!“

„Ich bin schon seit langer Zeit von seiten des ägyptischen Außenministeriums im Friedensprozeß engagiert und gehöre zum ausgesprochenen Friedenslager. Und ich sage: Wir brauchen eine starke europäische Position. Die USA können das nicht alleine stemmen; selbst Präsident Obama braucht eine starke europäische Haltung, die es ihm möglich macht, den Friedensprozeß in Nahost voranzubringen.“

Die ägyptische Diplomatin äußerte sich auf einem Kongress der „Konrad-Adenauer-Stiftung“ zum Thema „Mare nostrum“. Sie fand in der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom statt.

(rv 07.11.2009 sk)
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      <title>Teufel: „Was bedeutet vertrauen?“</title>
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      <description>  00:06:21:19  Der deutsche Politiker Erwin Teufel spricht im Monat November bei Radio Vatikan die Wochenkommentare. Er war von 1991 bis 2005 Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg und Vorsitzender der CDU in Baden-Württemberg. In seinem ersten Kommentar geht er der Frage nach, was man unter dem Stichwort „Vertrauen“ verstehen soll.

(rv 07.11.2009 mg)

Hören Sie hier den Wochenkommentar von Erwin Teufel</description>
      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <title>Das Sonntagsevangelium: Die arme Witwe und der Opferkasten</title>
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      <description>  00:08:44:71  Den Schriftgelehrten seiner Zeit, den Theologen, hat Jesus Heuchelei, Ehrgeiz und Habgier vorgeworfen. Demgegenüber stellt er seinen Jüngern eine arme Witwe als Beispiel hin. Mit ihrem Opferpfennig hat sie mehr gegeben als die Reichen mit ihren lauten Spenden. Sie weiß nichts von ihrer Größe. Sie ist glücklich, dass ihre Gabe angenommen wurde. Und Jesus hat sie gesehen.

Hier lesen Sie das Sonntagsevangelium:

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus

Er lehrte sie und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt,
und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben.
Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.
Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.
Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.
Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

(rv 07.11.2009 mg)

Hören Sie hier die Betrachtung zum Sonntagsevangelium von P. Eberhard von Gemmingen SJ</description>
      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <title>Heiliges Land: „Religion ist Teil des Problems"</title>
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      <description>  00:02:15:53  Im Nahostkonflikt sind die Religionen durchaus „Teil des Problems“ – und zwar, weil sie von allen Seiten instrumentalisiert werden. Das glaubt der aus Belgien stammende und in Jerusalem lebende Leiter der dortigen Kommission „Justitia et Pax", Pater Frans Bouwen. Die hohen Erwartungen, die mit dem Besuch Papst Benedikts im Heiligen Land im Mai dieses Jahres verbunden waren, seien zumindest im Blick auf die politische Wirkung enttäuscht worden, so der jetzt bei einem Kongress in Wien, der von der Stiftung „Pro Oriente“ ausgerichtet wurde. Zwar habe der Papst mit seinen Ansprachen und seinen symbolischen Gesten wie dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem oder eines palästinensischen Flüchtlingslagers bleibende Eindrücke bei den Menschen hinterlassen. Verbesserungen und Erleichterungen im alltäglichen Leben der Christen habe es seither aber keine gegeben, so Bouwen. Offen sei etwa weiterhin das Visa-Problem für den externen Klerus. Auch das offizielle Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel habe sich nicht weiter verbessert. „Die Botschaft des Papstes an uns Christen ist deutlich: Wir sollen an den Heiligen Stätten des Glaubens Präsenz zeigen und Zeugnis unseres Glaubens geben. Aber im alltäglichen Leben steht diese Botschaft gegenüber den aktuellen Probleme eher zurück“, so Bouwen. 
Zum weiter schwelenden Israel-Palästina-Konflikt sagte Bouwen, dieser sei „fundamental ein politischer Konflikt". Es sei gerade für die Kirchen immer wieder wichtig zu unterstreichen, dass Religion derzeit zwar „Teil des Problems“ ist, dies aber vor allem aufgrund der Tatsache, dass sie "benutzt und missbraucht wird - und zwar von allen Seiten“. Wo Religion als Kern des Konflikts gesehen werde, dort werde zugleich eine politische Lösung verunmöglicht: „Der Konflikt muss von der Religion getrennt werden; erst dann kann Religion zum Teil der Lösung werden“.
Laut Bouwen beläuft sich die Zahl der derzeit im Heiligen Land lebenden Christen auf rund 200.000. Etwa die Hälfte davon seien Katholiken bzw. mit Rom unierte Christen (Melkiten, Maroniten). Insgesamt sind derzeit 13 christliche Kirchen im Heiligen Land vertreten. Das Verhältnis unter den Bischöfen und Patriarchen, das noch bis vor wenigen Jahren eher gespannt gewesen war, habe sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, so Bouwen. Mittlerweile treffen sich die kirchlichen Spitzenvertreter monatlich und veröffentlichen zu Weihnachten und Ostern gemeinsame Botschaften.
Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hatte die Tagung mit dem Appell eröffnet, den Reichtum des altsyrischen Christentums auch im Westen neu zu entdecken. Der Nahe Osten stelle die „ursprüngliche Heimat des biblischen Glaubens" dar, betonte Schönborn. Die große und bewegte Geschichte des syrischen Christentums drohe aber im Westen in Vergessenheit zu geraten. Kritik übte der Kardinal erneut an der österreichischen Bundesregierung, die weiterhin keine Bereitschaft zeige, christliche Flüchtlinge aus dem Irak aufzunehmen. Hier werde die katholische Kirche weiter Druck ausüben, da gerade die christlichen Flüchtlinge eine besondere Integrationswilligkeit und –fähigkeit mitbringen und sich leicht in die österreichische Gesellschaft einfügen würden, so Schönborn.
(kap 07.11.2009 sk)
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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <pubDate>Sat, 07 Nov 2009 09:53:52 GMT</pubDate>
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      <title>20 Jahre Mauerfall: „Wunder Gottes“</title>
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      <description>00:02:30:34  „Mich bewegen jetzt genau dieselbe Freude und die Dankbarkeit wie damals.“ Das sagt zu den Gedenkfeiern anlässlich 20 Jahre Mauerfall der Erfurter Bischof Joachim Wanke. Er ist seit 1980 im Dienst. Dass er Verantwortung vor wie nach dem politischen Umbruch wahrnimmt, nennt Wanke selbst „eine hoch interessante Erfahrung“.
Die Öffnung der Grenze zwischen Österreich und Ungarn im August 89 habe in ihm das Gefühl geweckt, hier neige sich „eine Periode dem Ende zu“. „Da ist das entscheidende Loch im Luftballon, und das wird so nicht weiter gehen. Wenn man Freizügigkeit zulässt, da verändern sich auch gesellschaftlich-politische Verhältnisse.“
Auch Wanke sieht die Probleme der Menschen 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, sieht die sozialen Herausforderungen. Doch er betont zu jedem Jahrestag neu und seine Worte verlieren auch durch Wiederholung nichts von der Überzeugung, mit der er sie ausspricht:
„Es war eine bewegende Stunde, und ich schäme mich nicht und getraue mich auch heute noch von einem Wunder Gottes zu sprechen. Wir haben vielen zu danken, denen die Polen, Ungarn, vorangegangen sind, dem Papst in Rom, einsichtigen Politiker, die die Panzer in den Kasernen gelassen haben. Gott hat das Wunder gewirkt mit uns Menschen.“
(rv 02.10.2009 bp)
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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <pubDate>Fri, 06 Nov 2009 16:52:25 GMT</pubDate>
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      <title>D: Gemeinsame Mahlfeier „nicht denkbar“</title>
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      <description>00:03:41:98  Der Ökumenische Kirchentag 2010 in München wird eine gute Gelegenheit, um das gemeinsame Engagement der Christen für eine Gesellschaft auf Basis des christlichen Menschenbildes zum Ausdruck zu bringen. Das haben die bayerischen Bischöfe diese Woche bei ihrer Vollversammlung in Freising festgehalten. Eine gemeinsame Mahlfeier mit katholischen und evangelischen Christen werde es beim Ökumenischen Kirchentag nicht geben, sagte der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz und Münchner Erzbischof Reinhard Marx gegenüber Radio Vatikan.

Die gemeinsame Mahlfeier sei wegen unterschiedlicher Sichtweisen für Katholiken auch im nächsten Jahr „nicht denkbar, weil das ein Zeichen wäre, dass wir eine Kirche geworden sind - was eben noch nicht der Fall ist. Da ist die Meinung ganz klar. Man kann nie voraussagen, was Gruppen machen, die sich an diese Regeln, die wir miteinander vereinbaren, nicht halten. Das war in Berlin so. Da kann man nur hoffen, dass die Medien dann nicht eine Aufmerksamkeit dort suchen, wo es um Regelverletzungen oder um das Nichteinhalten von Absprachen geht. Ökumenisch muss auch bedeuten, sich aufeinander verlassen zu können. Ich weiß, dass ich das kann.“

Weder vom bayerischen Landesbischof Johannes Friedrich noch von der evangelischen Landeskirche werde bei der Frage der gemeinsamen Mahlfeier Druck ausgeübt, bekräftigte Marx. Wer von einem Kirchentag „theologische Lehrgespräche“ erwarte, überfordere die Veranstaltung. Der inhaltliche Schwerpunkt werde das gesellschaftliche Engagement sein, betonte der Sozialethiker:

„Deswegen auch das Thema: ,Damit ihr Hoffnung habt’; damit wir uns als Christen begreifen, als Menschen, die in einer Gesellschaft Zeuginnen und Zeugen der Hoffnung sind. Das soll dann ausgefaltet werden. Das gilt angesichts der Probleme der Wirtschafts- und Finanzkrise und der Globalisierung. Das betrifft auch die Frage, was es bedeutet, diesen Gott angesichts einer atheistischeren Umwelt als wir sie früher kannten zu bezeugen.“

Die bayerischen Bischöfe freuten sich über die vielfältigen Formen der Beteiligung am Ökumenischen Kirchentag, erklärten sie am Donnerstag. Rund 130.000 Gäste werden vom 12. bis 16. Mai in München erwartet. Das Programm und schon die Vorbereitungen seien „so dicht und vielfältig“, dass sie auch für den gastgebenden Erzbischof „kaum überschaubar“ seien:

„Ich kann wirklich sagen, dass in der Vorbereitungszeit in den bayerischen Diözesen kein Tag vergeht ohne eine Veranstaltung oder ein Treffen zur Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentages. Das ist eine unglaubliche Bewegung, und ich hoffe sehr, dass diese einmündet in ein Fest des Glaubens, wo wir als Christen gemeinsam in einer pluralen Gesellschaft uns zum Gott und Vater Jesu Christi bekennen können. Das wäre, glaube ich, ein wichtiges Zeichen in unserer Gesellschaft.“

Die Millionenstadt München habe zwar eine eindeutig katholische Prägung, bestätigt der Westfale Marx. Doch die Evangelische Landeskirche in Bayern ist mit 2,6 Millionen Gemeindemitgliedern die Größte in Deutschland.

„Die evangelischen Christen brauchen sich in Bayern insgesamt nicht zu verstecken. Wir haben große Gebiete, die sehr evangelisch geprägt sind. Der erste Ökumenische Kirchentag war in Berlin. Ich glaube für die evangelischen Christen ist München leichter, als für die katholischen Christen Berlin.“

(rv 06.11.2009 bp)
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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <pubDate>Fri, 06 Nov 2009 15:42:45 GMT</pubDate>
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      <title>Österreich: Schönborn kämpft gegen Versulzung</title>
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      <description>00:02:06:12  Kardinal Christoph Schönborn und Bundespräsident Heinz Fischer warnen vor Ausländerfeindlichkeit in Österreich. Beide äußerten sich am Donnerstag Abend bei einem Festakt zum 50-Jahr-Jubiläum des Wiener Afroasiatischen Instituts. Schönborn und Fischer würdigten das 1959 unter Kardinal Franz König gegründete Institut; es sei ein vorbildlicher Ort des interreligiösen und interkulturellen Dialogs in Österreich.
Auch heute müssten Staat und Kirche offen sein für andere, appellierte Kardinal Schönborn: „Zu glauben, dass wir unsere Identität am besten dadurch sichern, dass wir uns abschotten, möglichst die Tore dichtmachen und Scheuklappen anlegen - das kann nicht der Weg sein.“
Alle Kräfte im Land sollten sich entschieden gegen eine solche „Versulzung“ wehren, mahnte Schönborn. Vor allem sei es „kurzsichtige Politik, ausländische Studenten, besonders auch Studenten aus anderen Kontinenten, nicht hier haben zu wollen“. Das Afroasiatische Institut gehe seit fünf Jahrzehnten einen anderen Weg; in „verantwortungsbewusster und herzlicher Offenheit und mit wachem Interesse“ werde auf Menschen aus anderen Kulturen und mit anderen Religionen zugegangen. Wörtlich sagte Kardinal Schönborn: „Es geht darum, wie heute eine Welt zu gestalten ist, in der dieses Miteinander im Kleinen geübt wird, damit es im Großen gelingt.“
Bundespräsident Fischer wies auf die „wunden Punkte“ im Verhältnis zwischen Österreichern und „Menschen aus anderen Ländern, mit anderer Hautfarbe und anderer Religion“ hin: „Das Stichwort heißt Ausländerfeindlichkeit. Es gibt das weit verbreitete Phänomen, dass man dem Fremden, dem Ungewohnten in Abwehrhaltung und mit angstvoller Distanz gegenüber tritt.“
Mehrere Faktoren seien dafür verantwortlich, betonte Fischer. Neben wirtschaftlichen Gründen spielten Unsicherheit und Angst, aber auch politische Agitation eine Rolle. „Die gezielte Übertreibung und Zuspitzung von Problemen aus politischen Motiven ist mit aller Entschiedenheit abzulehnen.“ Die vorhandenen Ängste von Menschen beim Thema „Ausländer“ müssten ernst genommen werden. Gleichzeitig sei es eine Verpflichtung, „jeder Diskriminierung nach Herkunft, Geschlecht oder Religion entgegenzutreten“, so der Bundespräsident. (kap 06.11.2009 bp)
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      <pubDate>Fri, 06 Nov 2009 13:32:37 GMT</pubDate>
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      <title>Franz von Assisi - der erste  Performance-Künstler</title>
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      <description>  00:03:03:84  Franz von Assisi – ein Urbild heutiger Künstler? Der Mann, der die Renaissance einleitete? Würde man gar nicht denken, zunächst, wenn man den Armutsprediger aus Assisi vor Augen hat. Und doch ist ausgerechnet der heilige Franz eine Art heimlicher Patron der Künstler, sagt der deutsche Kulturschaffende Wolfgang Storch, der in Berlin und Volterra arbeitet.

„Francesco ist wunderbar! Er wächst auf mit einer französischen Mutter; sie spricht mit ihm Französisch; und dann kommt der Vater aus Frankreich zurück, weil er Tuchhändler war und dort Geschäfte gemacht hat, und nennt ihn „Francesco“ – Französling! Daher kommt der Name! So wächst er auf und sagt von sich, er sei „illiteratus“ – stimmt nicht. Der wusste so genau Bescheid und hat das alles gelesen – wenn er gegen die Bücher geredet hat, dann, damit die Mönche raus in die Welt gehen: Das war für ihn das Wichtige. Er hat dieses Elend gesehen, in dem das Heilige Römische Reich deutscher Nation um 1200 herum war, und hat gesehen, in welchem Zustand die Kirche ist, und hat gedacht, er müsse noch einmal von vorn, von unten anfangen. Dann hat er eine Gruppe um sich geschart, hat unten in Assisi eine Hütte gegründet und gesagt: Hier ist unser Ort, ziehen wir los! Er ist zum Papst gegangen, hat sich bei ihm immer rückversichert und eine Regel aufgestellt, die der Papst mündlich angenommen hat – und so konnte er anfangen. Aber die Kraft, die er hatte, kam aus dem Gesang, aus dem Wissen – er war ein großer Sänger. Und er schafft die Sprache: Mit dem „Sonnengesang“ entsteht die italienische Literatur. Von ihm bis Dante, hundert Jahre später – das ist die große Entwicklung, die er eröffnet. 

Mit dieser Kraft, mit der er die Imitatio Christi gelebt hat und mit der er sich in „Performances“ gezeigt hat – er ist wie ein großer Künstler. Der erste große Aktionskünstler. Weil sein Vater das Geld wiederhaben wollte, was er ihm entwendet hatte, weil er Stoffballen nach Foligno gefahren hat, um von diesem Geld die Kirche San Damiano wörtlich genommen wieder aufzubauen… wie er dem Vater zurückgibt, was des Vaters ist! Er gibt ihm das Geld zurück, zieht sich nackt aus und sagt in Anwesenheit des Bischofs nackt zu ihm: „Du warst mein Vater! Mein Vater ist Gott.“ Mit dieser Aktion beginnen eine Reihe von großen Manifestationen bis hin zu dieser ersten Installation einer Krippe… Er baut in Greccio die Krippe nach und sagt: „Hier ist Bethlehem! Ihr müsst nicht auf einen Kreuzzug gehen, sondern wir müssen selber bei uns anfangen.“ Mit diesen Aktionen gibt er die Kraft für den Neuanfang – und bewirkt so viel für die Künste! Durch ihn befreit sich die Malerei von der Ikone und beginnt das, was unsere Kunst und Kultur prägt. Darum ist er für mich – der Anfang.“

Franz von Assisi also sozusagen auch der erste Performance-Künstler, lange vor Beuys?

„Ja! Und ich kann keinen großen Unterschied finden zwischen Beuys und Franz… Natürlich sind das ganz verschiedene Welten – aber der Ansatz, die Christuskraft zu gewinnen, die ist bei Beuys wie bei Franz von Assisi dieselbe. Und diese Aktion, die er gemacht hat, in der sich die Kunst manifestiert, um den anderen zu erreichen und eine Öffentlichkeit herzustellen mit diesen Aktionen – das verbindet Beuys und Franz von Assisi. Hier ist, würde ich sagen, der Kern – der „nucleus“ – unserer Kultur.“

Storch sprach in der letzten Woche auf einer Konfernz der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom zum Thema Mittelmeer - Raum der Kultur. Dabei zeichnete der Schriftsteller und Kuratorein ein Panorama lebhaften Kulturaustausches als Voraussetzung dafür, dass sich spezifisch europäisches Denken herausbildete: „Deutschland ist nicht denkbar ohne Italien, Italien nicht ohne Griechenland, Griechenland nicht ohne den Vorderen Orient.“ Die „Weitergabe und Wiedergewinnung“ des im antiken Griechenland Geleisteten sei über Bagdad, Toledo, Florenz und Nürnberg gelaufen. Mit dem „Symposion“, der Darstellung eines Gastmahls mit dazugehörigem Streitgespräch, habe Platon „an die Stelle (geführt), wo sich Philosophie, Kunst und Religion einander eröffnen“; der darin entfaltete Begriff „poíesís“ (Machen, Tätigkeit, die etwas hervorbringt, Schöpfung) sei zum „gemeinsamen Zentrum“ der Arbeit der Theologen, Philosophen und Künstler geworden. 

Storch zitierte Novalis mit dem Satz, dass „alle Poesie Übersetzung“ sei: „Poesie als Übergang, als Transition, ein Hinübertragen aus einer Zeit in eine andere“. Dies sei für den Mittelmeerraum auch heute bestimmend: „Jeder kann den Raum finden, in dem er schöpferisch tätig werden kann. Die Künste, die Philosophie und die Religion wechseln sich ab“. 


(rv 06.11.2009 sk)
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      <pubDate>Fri, 06 Nov 2009 11:53:27 GMT</pubDate>
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      <title>Vatikan: 260 Künstler treffen Papst</title>
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      <description>  00:04:11:18  Auch große Namen der internationalen Kunstszene werden beim Treffen mit Papst Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle am 21. November dabei sein. Unter ihnen sind der US-Videokünstler Bill Viola, der britische Künstler Anish Kapoor, der britische Filmemacher Peter Greenaway, der US-amerikanische Theaterregisseur Bob Wilson und sein deutscher Kollege Peter Stein. Besonders hoch ist die „Star-Dichte“ in der Sparte der Architekten mit Mario Botta (Schweiz), Santiago Calatrava (Spanien), David Chipperfield (Großbritannien), Zaha Hadid (Großbritannien/Irak) und Daniel Libeskind (USA/Polen). Aus dem deutschen Sprachraum sind insgesamt drei Künstler vertreten; neben Stein sind das der Münchner Videokünstler Christoph Brech und der Dokumentarfilmer Philip Gröning („Die große Stille“). Der päpstliche Kulturrat, der das Treffen ausrichtet, hat die Künstler nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit ausgesucht, betonte Erzbischof Gianfranco Ravasi, der Leiter des Dikasteriums: 

„Die teilnehmenden Künstler entstammen nicht nur der katholischen Welt, obwohl diese natürlich auf substanzielle Weise präsent ist. Es handelt sich vielmehr um den größtmöglichen Horizont an Leuten, die bedeutend sind in ihrer künstlerischen Forschung, abgesehen von ihrer Religion, Nationalität, ihren ethnischen oder politischen Zugehörigkeiten.“

Einen weiten Horizont beweist der Kulturrat auch bei der Auswahl der Sparten. Neben bildender Kunst, Architektur, Literatur und Poesie, Musik und Gesang sind auch Kino, Theater, Tanz und Fotografie vertreten. So kommen aus Italien – aus dem rund vier Fünftel der Künstler stammen, die bisher zugesagt haben – auch populäre Liedermacher wie etwa Claudio Baglioni und Antonello Venditti zum Papst, ebenso der Komödienschauspieler Terence Hill. Ziel der Begegnung ist es nicht, „irgendwann liturgische oder sakrale Kunst herzustellen“, so Ravasi. Vielmehr möchte das Treffen „die Freundschaft und den Dialog zwischen Kirche und Künstlern erneuern“. 

„Es gibt da eine Geschwisterlichkeit, aber wir müssen uns eingestehen, dass sie heute gebrochen ist. Wir sind wie getrennte Verwandte, wie Geschiedene fast. Einerseits hat sich die Kirche in der jüngeren Vergangenheit oft mit dem Kopieren vergangener Modelle begnügt oder mit Gemeinplätzen, Stereotypen, manchmal auch mit Kunsthandwerk, ohne sich zu fragen nach einem Stil, der Ausdruck der eigenen Zeit wäre. Das war in der Vergangenheit anders. Denken wir an die Revolution der Polyphonie durch Palestrina, gegenüber der - einstimmigen – Gregorianik. Oder die Revolution des Barock gegenüber der Strenge der Renaissance. Es gab wahre Revolutionen in der Kunst, die sich vor allem in der Kunst der Kirche ereigneten. Im letzten Jahrhundert war das nicht mehr der Fall.“ 

Die Kirche habe den Künstlern aber auch heute noch viel anzubieten, so Ravasi: ihre großen Symbole, ihre Lesart der Wirklichkeit, ihre Erzählungen, Figuren und Themen. Der Künstler sei natürlich nicht dazu gezwungen, diese Zeichen abzubilden, betonte Ravasi: „Er sammelt sie und bringt sie zur Blüte, durch die Macht des Unendlichen, die in diesen Zeichen enthalten sind.“ 

Insgesamt haben bis heute mehr als 260 Künstler aller Sparten die Einladung zum Treffen mit dem Papst angenommen. 500 Künstler habe man angeschrieben; einige hätten nicht geantwortet, viele aus zeitlichen Gründen abgesagt, beispielsweise die Dirigenten Riccardo Muti und Daniel Barenboim sowie der Sänger Bono, sagte Erzbischof Ravasi. Kein einziger der eingeladenen Künstler habe aber mit der Begründung abgesagt, den Papst nicht treffen zu wollen.

Die Begegnung ist auf zwei Tage angelegt; am 20. November haben die Künstler die Möglichkeit, die Sammlung moderner Kunst in den Vatikanischen Museen zu besuchen, die von Papst Paul VI. angelegt worden war. Papst Benedikt wird am 21. November in der Sixtina zu den Künstlern sprechen. 
(rv 05.11.2009 gs)
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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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