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    <title>Radio Vatikan - Clips-GER</title>
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      <title>Enttäuschte Hoffnungen? Die Kirche im Heiligen Land sechs Monate nach dem Papstbesuch</title>
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      <description>00:16:38:62  Als Papst Benedikt im vergangenen Mai ins Heilige Land pilgerte, da sollte das vor allem ein Solidaritäts-Besuch bei der geprüften, durch Auswanderung dezimierten christlichen Minderheit sein. Die Ortskirche nahm diese Geste damals mit großer Dankbarkeit auf. Im Stillen hoffte vielleicht aber auch mancher, das Kirchenoberhaupt könne mit seinem moralischen Einfluss an dem einen oder anderen Problem an sich rütteln. Wie sieht es heute aus? Gabi Fröhlich hat Stimmen zur Situation der Kirche in Israel gesammelt – ein halbes Jahr nach dem Besuch des deutschen Papstes in der Heimat Jesu.

Fouad Twal sagt: „Die Früchte des Papstbesuches sind vor allem bei den Gläubigen zu finden – seine Ermutigung zu mehr Treue und Glaubensfreude, das kann man gar nicht messen. Auf politischer Ebene gibt es leider keine Änderungen – eher hat sich unsere Situation sogar weiter verschlechtert. Der Papst kam als Mann des Friedens – es gibt keinen Frieden. Er kam als Mann des Dialogs – aber Dialog ist mit Israels rechtsgerichteter Regierung schwierig.“

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem ist müde – man sieht es ihm an. Fouad Twal ist ein Mensch, der freundlichen Umgang und Harmonie liebt. Aber die Situation für seine Gläubigen ist und bleibt schwierig, vor allem in den von Israel besetzten Gebieten. Schätzungsweise 165.000 Mitglieder zählen die traditionellen christlichen Gemeinschaften in Israel und den Palästinensergebieten – die allermeisten sind Araber. Dass sie eine Minderheit in ihrer eigenen, überwiegend muslimischen Gesellschaft sind, macht ihre Lage nicht leichter. Gleichzeitig sind sie dem israelischen Generalverdacht gegen alles Arabische ausgesetzt und müssen mit schweren Beschränkungen im Alltag kämpfen. Die katholische Kirche ist davon direkt betoffen, zum Beispiel über das Visa-Problem. Franziskaner-Kustos Pierbattista Pizzaballa bezeichnet das Thema als schlicht und einfach: 

„Nervtötend. Manche Visa bekommt man, manche nicht. Man weiß nie, wie lang es braucht. Manchmal steht alles still, weil es irgendeine politische Krise gibt, irgendwann geht es wieder weiter. Wir haben einfach nie Klarheit.

Die Franziskaner sind seit dem Mittelalter offiziell vom Papst beauftragte „Hüter der Heiligen Stätten“. Die Brüder der Kustodie kommen aus aller Welt, viele aus arabischen Nachbarstaaten. Ausländischer Klerus erhält in Israel derzeit generell höchstens noch Einjahres-Visa, die den Behörden oft abgerungen werden müssen. Noch schwieriger ist die Lage für das Lateinische Patriarchat, dessen Klerus fast komplett arabisch ist – wie ja auch die Gläubigen. Die israelisch-arabischen Priester dürfen nicht in die Palästinensergebiete, die palästinensischen dürfen nicht so einfach nach Israel und die jordanischen, libanesischen usw. zittern jährlich um ihre Aufenthaltserlaubnis. In der israelischen Regierung hat man dafür die allgegenwärtige Begründung: security. Shmuel Ben-Shmuel ist im Außenministerium zuständig für die Beziehungen zu den nichtjüdischen Religionen. Er sagt:

„Dieses Land liegt leider in einer wenig friedlichen Umgebung – wir sind nicht Nachbarn der Schweiz. Wir verdächtigen niemanden, aber es Sicherheit ist einfach ein wesentlicher Bestandteil unseres Überlebens. Manchmal kann man in eine Falle geraten. Natürlich hätten wir auch gern offene Grenzen wie in Europa. Aber reisen Sie mal von hier nach Übersee – dort werden Sie auch kontrolliert! In den offensten demokratischen Nationen.“

Franziskanerkustos Pierbattista versteht das israelische Sicherheitsbedürfnis – würde sich aber doch mehr Entgegenkommen wünschen.

„ Die Sicherheitsbedenken gegenüber Bürgern arabischer Länder sind sicher da, aber in diesem Fall halte ich das für völlig unbegründet. Priester laufen nicht mit dem Maschinengewehr herum. Klar, es gab den berühmten Fall Capucci, ein melkitischer Bischof in den 70er Jahren, bei dem Waffen im Gepäck entdeckt wurden. Das war ein riesiger, nicht zu rechtfertigender Fehler. Aber es war auch ein absoluter Einzelfall, der bis heute immer wieder rausgekramt wird. Ich glaube wirklich nicht, dass wir ein Problem darstellen.“

Grundsätzlich hat die Kirche übrigens ein Anrecht auf Personal für ihr Wirken in Israel – so steht es schwarz auf weiß im Grundlagenvertrag, den der Heilige Stuhl und Israel 1993 unterzeichnet haben. Allerdings wurde dieser Vertrag vom israelischen Parlament niemals ratifiziert, das heißt, er ist kein israelisches Gesetz. 16 Jahre nach Unterzeichnung eines so wichtigen Abkommens – das ist wohl international ein einzigartiger Fall. Und ein Affront, meint der Dominikaner Olivier-Thomas Venard, der an der renommierten Hochschule seines Ordens, École Biblique unterrichtet.

„Der Heilige Stuhl hat dem Staat Israel 1993 alles, was er forderte, auf einem Silbertablett serviert – und zwar fast ohne Gegenleistungen zu verlangen. Das war von unserer Seite ein sehr großzügiger Schritt, manche würden vielleicht sagen, naiv. Heute fragen wir unsere israelischen Freunde: Haben wir Recht gehabt, euch dieses Vertrauen zu schenken? Oder befinden wir uns in Wahrheit in einem Kräftemessen?“

Warum Israel nicht ratifiziert hat, bleibt für die Kirchenvertreter ein Rätsel. Auch Ben-Shmuel vom Außenministerium hat keine klare Antwort:

„Wir vom Außenministerium arbeiten daran, dass der Ratifizierungs-Prozess voran kommt. Es hat etwas mit den Auswirkungen des Abkommens auf das aktuelle Gesetzes-System zu tun. Manchmal findet man nach Unterzeichnung eines Abkommens heraus, dass es eine Kluft zwischen dem Vereinbarten und der Realität gibt. Aber ich versichere, dass wir unser bestes tun, um den Prozess zu beschleunigen.

Nicht nur der Grundlagenvertrag wartet auf Ratifizierung, sondern auch ein Zusatzabkommen zu juristischen Fragen. Kirchliche Gemeinschaften sind daher in Israel keine Rechtspersonen, was schon die Eröffnung eines Bankkontos zu einem Abenteuer macht. Ganz zu schweigen von juristischen Streitfällen. Über ein zweites Zusatzabkommen über Eigentums-, Steuer, und Wirtschaftsbelange hingegen wird verhandelt. Seit 16 Jahren. Während die Kirche darauf verweist, dass sie im Heiligen Land noch nie Steuern gezahlt habe, und dass ihr überwiegend nicht-lukratives Wirken gesellschaftlich von Bedeutung ist, pocht Israel auf die Verantwortungen in einem modernen Staatswesen. Der Leiter des Jerusalemer Zentrums für Jüdisch-Christliche Beziehungen, Daniel Rossing, hat ein gewisses Verständnis für den zähen Prozess:

„Man muss schon zugeben, dass die Fragen, um die es bei den Verhandlungen geht, sehr komplex sind. Die Kirche hat natürlich Sorge um ihr Fortbestehen im Heiligen Land, wenn es etwa um Steuerfragen geht. Aber die israelische Regierung muss bedenken, dass alles, was sie mit der katholischen Kirche aushandelt, auch auf andere religiöse Gemeinschaften anwendbar sein muss. Denn wenn die Katholiken bevorzug werden, dann kommen nicht nur die anderen Christen, sondern auch die Muslime und Juden und fragen, was ist mit uns? Das sind also sehr komplexe Fragen.“

Die Kirche gewöhnt sich daher langsam an den Gedanken, dass ihre historische Steuerfreiheit im Heiligen Land künftig ein Ende haben könnte. Ein Bauernopfer, das die kirchlichen Verhandlungsführer wohl in den Kompromiss werden werfen müssen, sind die Pilgerhäuser und anderen wirtschaftlichen Betriebe. Davon betroffen ist auch das Österreichische Hospiz in der Jerusalemer Altstadt. Dessen Leiter Markus Bugnyar reagiert allerdings gelassen:

„Ich glaube es ist sehr vernünftiger Kompromiss, wenn wir als Gästehäuser Steuern oder Teil davon zahlen, dafür dass unsere karitativen Einrichtungen steuerfrei ausgehen und weiter arbeiten können.“

Dass Schulen, Krankenhäuser und ähnliche subventionsbedürftige Einrichtungen zu besteuern unsinnig wäre, ist allen Beteiligten klar. Schwieriger sieht es mit der Grundsteuer aus. Denn so manche kirchliche Gemeinschaft hat aufgrund ihrer langen Tradition im Heiligen Land zwar große Grundstücke in guter Lage, aber kein Geld. Ihr Unwohlsein wird dadurch verstärkt, dass die israelischen Finanzämter seit einigen Jahren zunehmend einfach Steuerbescheide an ihre Häuser verschicken – und zwar zum Teil rückwirkend über viele Jahre, also mit Unsummen. Für den Dominikaner Olivier-Thomas ist das durchaus Grund zur Sorge:

„Die Knesset hat 2002 in einem Budget-Gesetz ganz beiläufig auch die Besteuerung der kirchlichen Häuser beschlossen. Zwar nur mit 33 Prozent des normalen Steuersatzes – aber für uns ist das immer noch viel zu viel. Vor allem wenn es zu Rückforderungen bis 1967 kommt, wie in manchen Fällen in Ostjerusalem. Das ist ein großes Problem, denn die meisten unserer Gemeinschaften leben von Spenden. Würde diese Praxis sich durchsetzen, wäre das das Ende unserer Hochschule.“

Dabei hat der Grundlagenvertrag bis zu einem Abschluss der Verhandlungen ein Festhalten am Status quo festgelegt – also an der Steuerfreiheit. Bei vielen Kirchenvertretern kommt deshalb der Verdacht auf, dass da – wie auch auf politischer Ebene üblich – während laufender Verhandlungen Fakten geschaffen werden sollen. Die Vatikanvertretung im Heiligen Land hat darum eine strikte Order ausgegeben: Gezahlt wird nichts. So stapeln sich in den Klöstern die unbeglichenen Steuerbescheide.

Dennoch plädiert der Leiter des Österreichischen Hospizes für nüchterne Sachlichkeit in der Diskussion. 

„Wir müssen verstehen dass die Diskussion um den finanzrechtlichen Status nichts damit zu tun hat, dass wir eine kirchliche katholische Einrichtung sind. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass in vergangenen 60 Jahren überhaupt keine Steuern gezahlt worden sind. Der Staat versucht nicht anders als alle Staaten in der Welt, seine Bürger dazu zu motivieren, ihre Steuern zu zahlen.“

So hat zumindest in diesem Fall auch Israel ein Interesse, das Thema bald zu lösen. Ben-Shmuel vom Außenministerium demonstriert jedenfalls Optimismus:

„Beide Seiten sind der Ansicht, dass in den letzten Jahren wichtige Fortschritte gemacht wurden. Es gibt noch ein paar Meinungsverschiedenheiten, die uns vom Abschluss trennen – aber ich hoffe, im nächsten Jahr ist es geschafft.“


Wer da glaubt, die Kirche sei ganz zufrieden mit diesem Zustand ohne große Rechte – aber auch ohne besondere Pflichten, der hat sich getäuscht. Das Stöhnen über den 60 Jahre andauernden Schwebezustand ist groß. Bugnyar spricht hier für viele:

„Das ist alles andere als ein erstrebenswerter Zustand im rechtsfreien Raum zu sein. Jede Institution muss wissen, was ihre Rechte und Pflichten sind, worauf sie sich berufen kann, was Grenzen sind. Das kann so keine Dauerlösung so sein.“

Zumal der rechtsfreie Raum weitere Konsequenzen hat – Angst um Zugriff auf die kircheneigenen Grundstücke zum Beispiel: Einzelne Grundstücke wurden durch den israelischen Sperrwall zerschnitten. In Ostjerusalem droht weiteren Gemeinschaften, für die geplante Stadtentwicklung herhalten zu müssen. Auch der Patriarch ist besorgt:

„Es gibt einen Plan für Jerusalem, der uns nicht gefällt. Sie wollen den Ölberg touristischer machen – aber was soll das? Jerusalem braucht weder mehr Musik noch mehr sonstigen Krach um Touristen anzuziehen. Jerusalem ist durch seine Heiligen Stätten anziehend genug. Unsere Leute haben Angst vor diesen Plänen, die Muslime haben Angst, wir haben alle Angst.“

Und am See Genezareth fürchten die Eigentümer der Heiligen Stätten den geplanten Bau eines Touristenpfades, der sie vom Seeufer abschneiden könnte. Ein weiterer Dauerbrenner: die so genannte Greencard, also die kirchliche Führungslizenz für Pilgergruppen. Erst dieses Jahr wieder konnte die Kirche die Annullierung der Lizenz in letzter Sekunde verhindern. Kustos Pierbattista:

„Es gab ein großes Unverständnis von Seiten des Tourismusministeriums, besonders aber von Seiten der israelischen Vereinigung der Fremdenführer: Sie haben uns vorgeworfen, uns ein Recht des Staates anzueignen. Aber die Kirche hält daran fest, dass das Führen von Pilgergruppen zu den christlichen Heiligen Stätten eine ihrer ureigensten Aufgaben ist. Nazareth, Kapharnaum oder das Heilige Grab sind nur hier und nirgendwo sonst in der Welt. Und Pilger kommen nicht, um Sightseeing zu machen, sondern um zu beten. Daher wird die Kirche auf diese Führungen nicht verzichten. Aber natürlich sind wir bereit, die Lizenzen dafür mit dem Staat abzustimmen und einer bestimmten Vorbereitung darauf zuzustimmen. So haben wir gemeinsam die Kriterien für die Vergabe der Karte überarbeitet und bis zur nächsten Krise ist die Sache geklärt.

Die Liste der Klagen ließe sich noch lange fortsetzen.

Eine Regelung der Verhältnisse wird also gleichzeitig gefürchtet und herbeigesehnt. Allerdings warnt der jüdische Dialog-Experte Rossing davor, die Erwartungen zu hoch zu schrauben:

„Selbst ein Abkommen würde noch nicht heißen, dass alle automatisch die korrekte Verhaltensweise an den Tag legen. Auf jüdischer Seite zumindest ist das größte Problem schlicht und einfach Ignoranz: Es fehlt jegliche Vertrautheit mit dem Christentum und seinen Gläubigen. Dabei spielt bei einem Durchschnittsjuden sicher auch sein Selbstverständnis als Teil einer winzigen, oft verfolgten Minderheit in christlichen Ländern eine Rolle. Aber in Israel ist das Verhältnis ja gerade umgekehrt: Wir Juden sind die tonangebende Mehrheit und die Christen eine kleine Minderheit. Und zwar eine Minderheit, die in dieser Region ebenfalls ihre schwere Geschichte mit vielen Überlebenskämpfen hat. Vielleicht wird dieser innere Schwenk auf israelischer Seite nicht immer so leicht vollzogen.“

Es ist eine ganze Mentalität, die sich ändern muss – meint auch Patriarch Twal:

„Ständig fühlen wir uns in der Defensive. Wir sind misstrauisch und sie sind misstrauisch – das ist doch keine normale Situation. Wir wollen vor allem Normalität, keine Privilegien  – normale Bewegungsfreiheit für unsere Priester etwa. Jetzt stehen wir unter Dauerstress. Wenn wir mit den Behörden zu tun haben, lassen sie uns warten und warten – alles zieht sich endlos hin.“ 

Auch an der Basis ist die Stimmung schlecht, berichtet der Dominikanerpater:

„Das ist bestimmt eine Absicht der israelischen Beamten, alle nicht-jüdischen Ausländer spüren zu lassen, dass sie in Israel nicht wirklich zuhause sein sollen, obwohl wir Christen es in einem tiefen, spirituellen Sinn ja sind. Wir sollen höchstens geduldete Gäste sein. Zumindest spüren wir diese Atmosphäre.“

Ist die Geduld der Kirchenvertreter am Ende? Sollte die Kirchenführung das Register wechseln und mal richtig auf den Tisch hauen? Hinter vorgehaltener Hand wird das von Manchen gefordert. Kustos Pierbattista hat da allerdings Bedenken:

„Die Leute glauben oft, wir hätten eine überdimensionale Macht. Aber das ist nicht der Fall. Die Welt wartet nicht auf uns, seien wir doch mal ehrlich. Und auch nicht Israel. Man wirft uns oft vor, wir träten nicht kräftig genug in den Gesprächen mit Israel auf. Ich jedoch bin der Meinung, dass die Kirche zunächst überhaupt mit Israel sprechen muss. Wir gehen zu Israel immer dann, wenn es Probleme gibt. Und dann ist es oft schwer, herauszufinden, mit wem man konkret sprechen soll. Es gibt keinen ständigen, offenen Kanal des Dialogs.“

Und wie dieser Dialog geführt werden sollte – dafür hat nach Ansicht des Franziskaners Papst Benedikt bei seinem Besuch vor sechs Monaten ein bemerkenswertes Beispiel gegeben. 

„Der Papst war sehr mutig – er hatte seine Perspektive, er hatte etwas zu sagen und er hat es gesagt. Und zwar klar, aber in einer unaufgeregten Weise. Er hat sich den fertigen Drehbüchern verweigert, die in dieser Region sonst dem Besucher gerne aufgezwungen werden. Mit dieser inneren Freiheit müssen auch wir in diesem schwierigen Umfeld weiter gehen, ohne falsche Erwartungen.
Es gibt Probleme, die gelöst werden können und andere, die nicht gelöst werden können, mit denen wir leben müssen. Vieles braucht sehr viel Zeit, vielleicht sogar Generationen. Was wir tun können, ist hier zu sein, mitten in diesen Problemen, mit unserem Stil, als Christen.“

(rv 19.11.2009 gf)
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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <title>Vatikan: Anglikaner-Primas, „Glas ist halbvoll“</title>
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      <description>00:03:51:12  Der anglikanische Primas Rowan Williams sieht das Verhältnis von anglikanischer und katholischer Kirche positiv. „Das ökumenische Glas ist halbvoll“, sagte Williams am Donnerstagabend bei einer Tagung in der Päpstlichen Universität Gregoriana. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil seien große Fortschritte und theologische Einigungen etwa über das Wesen Gottes und der Kirche und ihrer Mission erzielt worden, sagte das Oberhaupt der Anglikaner. Die Verantwortung für eine Stagnation auf dem Weg zur Einheit schrieb Williams der katholischen Kirche zu. Sie müsse darlegen, warum rechtliche und institutionelle Trennungsgründe größeres Gewicht haben sollten als die erreichte Übereinkunft in zentralen Glaubensfragen. Am Samstag wird Williams mit Papst Benedikt XVI. zusammentreffen.

Vor dem hochrangig besetzten katholisch-anglikanischen Publikum in der Gregoriana erinnerte Williams an die weiterhin trennenden Fragen nach Autorität, Primat, Ordination. „Haben sie heute noch das gleiche Gewicht“, fragte er, oder könnten sie in einem anderen Licht gesehen werden als die bereits erreichten grundlegenden theologischen Übereinkünfte?

„Handelt es sich um theologische Fragen, im gleichen Sinn wie die großen Fragen, in denen bereits Einigung erzielt wurde? Wenn sie das sind, wie richtig ist es dann, sie anders zu betrachten als das grundlegende Verständnis von Erlösung und Gemeinschaft. Wenn sie das aber nicht sind, warum stehen sie noch immer einer vollen und sichtbaren Einheit im Weg?“

Williams verteidigte Priester- und Bischofsweihen für Frauen. Ein Verzicht auf diese Praxis, die aus katholischer Sicht ein Haupthindernis für die gegenseitige Anerkennung ist, würde dem Verständnis anglikanischer Christen von der Gleichheit aller Getauften zuwiderlaufen. Ein kollektiver Übertritt der Anglikaner zur römisch-katholischen Kirche sei kein Weg der Ökumene. Die jüngste apostolische Konstitution nannte der Primas eine „phantasievolle pastorale Antwort“ auf die Bedürfnisse einzelner Gruppen. Gleichzeitig werfe sie neue Fragen auf bezüglich der Anerkennung weiterer Divergenzen, welche die Einheit der katholischen Kirche offensichtlich nicht gefährdeten.

Williams:
„Wir wollen – in einem Geist der Dankbarkeit und Brüderlichkeit – die Frage stellen, ob diese ungelöste Aufgabe so grundsätzlich kirchentrennend ist, wie das unsere römisch-katholischen Freunde generell annehmen und behaupten. Wenn sie das nicht ist, können wir es uns dann erlauben, die ausstehenden Themen mit den gleichen methodologischen Vorgaben und der gleichen spirituellen und umfassenden sakramentalen Sicht anzugehen, die uns hierher gebracht hat?“

Den vatikanischen Ökumene-Verantwortlichen Kardinal Walter Kasper, der an der Seite des Primas auf dem Podium saß, nannte Williams einen Freund. Kasper räumte ein, dass die Konstitution mit größerer Transparenz hätte erarbeitet werden können. Die Vorschläge Williams’ begrüßte Kasper:

„Ich würde sagen, wir müssen unterscheiden zwischen Divergenzen, die widersprüchlich sind und solchen, die ergänzend sind. Einander ergänzende Divergenzen kann es in der Kirche geben, weil der Glaube, weil Gott ein Geheimnis ist, und es nicht das eine System gibt, Gott zu erklären. Verschiedene Positionen können hier einander ergänzen, dürfen sich aber nicht widersprechen. Wir müssen darüber diskutieren, ob diese Fragen immer noch widersprüchlicher Natur sind oder nicht. Das ist eines der Ziele eines gemeinsamen Symposiums im nächsten Februar.“

Der deutsche Kurienkardinal Kasper und das geistliche Oberhaupt der Anglikaner feiern an diesem Freitag einen ökumenischen Vespergottesdienst im Oratorio Del Caravita, einem Zentrum englischsprachiger Christen in Rom. In der von Kasper geleiteten Feier wird Williams die Predigt halten. Im Rahmen seines dreitägigen Rom-Aufenthalts sind weitere Begegnungen mit Vertretern der römischen Kurie geplant.

(rv/pm/kna 20.11.2009 bp)


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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <title>Nahost: „Die Welt wartet nicht auf uns“</title>
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      <description>00:02:21:67  Als Papst Benedikt vor einem halben Jahr ins Heilige Land pilgerte, sollte das vor allem ein Solidaritäts-Besuch bei der geprüften, durch Auswanderung dezimierten christlichen Minderheit sein. Die Ortskirche nahm im vergangenen Mai diese Geste mit großer Dankbarkeit auf. Im Stillen hoffte vielleicht aber auch mancher, das Kirchenoberhaupt könne mit seinem moralischen Einfluss an dem einen oder anderen Problem an sich rütteln. Wie sieht es heute aus? Gabi Fröhlich berichtet:

Schätzungsweise 165.000 Mitglieder zählen die traditionellen christlichen Gemeinschaften in Israel und den Palästinensergebieten – die allermeisten sind Araber. Dass sie eine Minderheit in ihrer eigenen, überwiegend muslimischen Gesellschaft sind, macht ihre Lage nicht leichter. Gleichzeitig sind sie dem israelischen Generalverdacht gegen alles Arabische ausgesetzt und müssen mit schweren Beschränkungen im Alltag kämpfen. Die katholische Kirche ist davon direkt betroffen, zum Beispiel über das Visa-Problem. Franziskaner-Kustos Pierbattista Pizzaballa bezeichnet das Thema als schlicht und einfach

„…nevtötend. Manche Visa bekommt man, manche nicht. Man weiß nie, wie lang es dauert. Manchmal steht alles still, weil es irgendeine politische Krise gibt, irgendwann geht es wieder weiter. Wir haben einfach nie Klarheit.“

Ist die Geduld der Kirchenvertreter am Ende? Sollte die Kirchenführung das Register wechseln und mal richtig auf den Tisch hauen – hinter vorgehaltener Hand wird das von manchen gefordert. Der Kustos hat da allerdings Bedenken:

„Die Leute glauben oft, wir hätten eine überdimensionale Macht. Aber das ist nicht der Fall. Die Welt wartet nicht auf uns, seien wir doch mal ehrlich. Und auch nicht Israel. Man wirft uns oft vor, wir träten nicht kräftig genug in den Gesprächen mit Israel auf. Ich jedoch bin der Meinung, dass die Kirche zunächst überhaupt mit Israel sprechen muss. Wir gehen zu Israel immer dann, wenn es Probleme gibt. Und dann ist es oft schwer, herauszufinden, mit wem man konkret sprechen soll. Es gibt keinen ständigen, offenen Kanal des Dialogs.“

Und wie dieser Dialog geführt werden sollte – dafür hat nach Ansicht des Franziskaners Papst Benedikt bei seinem Besuch vor sechs Monaten ein bemerkenswertes Beispiel gegeben. 

„Der Papst war sehr mutig – er hatte seine Perspektive, er hatte etwas zu sagen - und er hat es gesagt. Und zwar klar, aber in einer unaufgeregten Weise. Er hat sich den fertigen Drehbüchern verweigert, die in dieser Region sonst dem Besucher gerne aufgezwungen werden. Mit dieser inneren Freiheit müssen auch wir in diesem schwierigen Umfeld weiter gehen, ohne falsche Erwartungen. Es gibt Probleme, die gelöst werden können und andere, die nicht gelöst werden können, mit denen wir leben müssen. Vieles braucht sehr viel Zeit, vielleicht sogar Generationen. Was wir tun können, ist hier zu sein, mitten in diesen Problemen, mit unserem Stil, als Christen.“

(rv 20.11.2009 gf/bp)
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		rapporto di trasmissione                                      sezione tedesca


						Kreuzfeuer


Data: 		19.11.2009
Ore:		20.20 
Durata: 	19’00


Autori: Gabi Fröhlich

Contenuto: 

Kirche, wo es kritisch wird: Zur Lage im Heiligen Land. 
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      <category>News</category>
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      <title>Priesterjahr: „Siehst du denn nicht, dass du schwarz bist?“</title>
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      <description>  00:03:16:01  Das Priesterjahr lenkt derzeit unseren Blick wieder auf die Vielfalt im weltweiten Klerus: Das ist wirklich eine Schar aus allen Völkern und Nationen. Ein Beispiel für viele: James Lengarin. Er kommt aus Kenia, wie der Vater von Obama. Und er ist seit 15 Jahren Missionar – erst in Europa, jetzt wieder in seiner kenianischen Heimat – in der Provinz Nyeri.

„Ich komme aus einer Familie von Nomaden-Hirten aus der Ethnie der Samburu. Und ich habe mich immer gefragt, was ich aus meinem Leben machen soll... ich habe immer den Leuten geholfen, die zu uns kamen, weil sie zum Beispiel nicht soviele Kühe hatten wie wir. Mein Vater wurde drei, vier Monate vor meiner Geburt von einem Elefanten getötet, da war also nur die Mamma.“

Die Mamma – und noch sieben Geschwister. Die Mamma muß alle hungrigen Mäuler stopfen; abends und morgens betet sie. Als James ihr eines Tages sagt, er wolle ins Priesterseminar eintreten, sagt sie gleich: „Na gut.“ Anders ist ihre Reaktion, als ihr Sohn sich dafür entscheidet, zur Ordensgemeinschaft „Missionari della Consolata“ zu gehen.

„Das waren ja alles Weiße – da hat meine Mamma gesagt: „Aber siehst du denn nicht, dass du schwarz bist?“ Ich habe geantwortet: „Weißt du, Mamma, ich werde mit ihnen arbeiten, und ich werde auch eine Herausforderung für sie sein...“

James ist von den Missionaren beeindruckt: Die sind von weitem gekommen, um Leuten zu helfen und mit Leuten zu leben, die sie vorher gar nicht kannten und mit denen sie noch nicht einmal verwandt sind. Er tritt in die Gemeinschaft ein – und wird vom Nomaden-Hirten zu einem Nomaden für Christus.

„Man braucht dazu einen offenen Geist und ein großes Herz – nur Jesus kann das bei uns bewerkstelligen. Sonst wären auch wir nur eine Art Touristen! Schwer wurde es mir, meine Familie für soviele Jahre nicht mehr zu sehen – in den ersten Jahren war der Kontakt fast weg, es gab in den neunziger Jahren ja noch kein Handy, Briefe brauchten zwei Monate, um ans Ziel zu kommen.“

Aber jetzt ist Pater Lengarin ja wieder in Kenia, nicht weit von seiner Familie entfernt. In der Provinz Nyeri arbeitet er bei einem Hilfsprojekt mit.

„Wir versuchen, mit Dingen zu helfen, die Hoffnung wecken – denn Nahrung ist ja sofort wieder weg, aufgegessen. Wir helfen vor allem Kindern, dass sie keine Delinquenten werden: Wir lehren sie, wie man zusammenlebt. Alles, was man sich von Afrika so wünscht – Gerechtigkeit, Versöhnung – fängt ja bei den Kindern an; über sie erreichen wir auch die Familien.“ 
 
 Irgendwann mal, so hofft der Samburu-Priester, wird Afrika den Christen in Europa einmal zurückgeben können, was es von ihnen bekommen hat: Die Evangelisierung nämlich. Aus seiner Sicht ist das vor allem eine Sache der Laien.

„Man sollte ihnen mehr Verantwortung geben! Um zu Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden zu kommen, muß jeder einzelne Christ das Seine tun – und dann alle zusammen!“

James Lengarin – einer von vielen in diesem Jahr der Priester.

(rv 19.11.2009 sk)
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      <pubDate>Thu, 19 Nov 2009 20:34:26 GMT</pubDate>
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      <title>Menschenrechtler: „Dt. Behörden schicken Flüchtlinge in Irak zurück“</title>
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      <description>  00:02:33:74  Von Afghanistan ist in diesen Tagen viel die Rede; viel weniger gesprochen wird in den Medien mittlerweile von der Lage im Irak. Nur das Gezerre um die nächsten Wahlen, die eigentlich im Januar stattfinden sollten, schafft es hier und da noch mal auf westliche Titelseiten. Heißt das, im Irak sind jetzt einigermaßen friedliche Zustände wiedereingekehrt? Und können die Hunderttausende von Flüchtlingen aus dem Irak – darunter viele Angehörige von Minderheiten, auch viele Christen – jetzt allmählich zurück in ihre Heimat? So einfach ist das nicht, sagt Otmar Oehring. Der Menschenrechtsexperte des kirchlichen Hilfswerks „missio“ hat sich in den letzten Jahren massiv für die Flüchtlinge aus dem Irak eingesetzt. Im Interview mit Stefan Kempis meint Oehring: 

„Nach allen Informationen, die wir haben, ist es so, dass die Lage im Irak sich natürlich irgendwie stabilisiert – wobei es Unterschiede gibt zwischen Zentral-, Süd- und Nordirak -, aber alle Beobachter aus der Region weisen doch ganz klar darauf hin, dass, wenn es eine Möglichkeit der Rückkehr in den Irak überhaupt gibt, diese nur für die Muslime besteht, weil diese natürlich in ihre eigenen religiös-ethnischen Strukturen zurückkehren können, während das für die Christen durchweg nicht der Fall ist. Man hört auch, dass weiterhin eine relativ große Zahl von christlichen Flüchtlingen aus dem Irak in die Türkei kommt. Natürlich ist der Zufluß von christlichen Flüchtlingen nach Jordanien und Syrien weitgehend gestoppt; Rückkehr in den Irak hat es aus dieser Gruppe keine nennenswerte gegeben.

Einzelne sind zwar zurückgekehrt, aber zum Teil ist das von den deutschen Behörden erzwungen: „Bringen Sie Geburtsurkunden bei; wenn Sie uns die Geburtsurkunden nicht vorlegen können, dann sorgen Sie dafür, dass Sie sie von zuhause beschaffen...“ Ich habe von solchen konkreten Fällen gehört, und das sind natürlich, wenn es stimmt, unglaubliche Dinge, dass deutsche Behörden, die auf der einen Seite bereit sind, diese Menschen aufzunehmen, diese Menschen andererseits in die gleiche Situation zurückschicken, aus der sie geflüchtet sind – nur damit sie irgendein Papier beibringen, das nachweist, dass sie wirklich die Person sind, die zu sein sie vorgeben!“

Sie sind ein Kenner der Nahostregion. Nächstes Jahr gibt es eine Sondersynode von Bischöfen im Vatikan zum Thema Nahost – was kann man sich davon denn versprechen?

„Also, was ich mir erhoffen würde, wäre, dass die Bischöfe aus dem Nahen Osten tatsächlich die Lage in ihrer Region so darstellen, wie sie ist! Die Synode ist ja keine öffentliche Unternehmung; man wird da ja mehr oder weniger hinter verschlossenen Türen miteinander sprechen. Und man kann nur hoffen, dass sie dort wirklich Tacheles reden! Dass sie die Lage so darstellen, wie sie auch wirklich ist, und am Ende dann auch dazu stehen, dass es durchaus auch vernünftige Gründe für einzelne Christen aus der Region (natürlich in unterschiedlichen Nuancierungen, was die einzelnen Länder betrifft) geben kann, diese Länder zu verlassen! Wenn man aber das hören würde, was wir im Zusammenhang mit der Frage der Irak-Flüchtlinge gehört haben, nämlich „Alles ist gut“, bzw. dann im kleinen Kreis „Die Situation ist katastrophal“ – also, wenn man im Grund genommen keine wirklich nachvollziehbaren Äußerungen bekommen würde, dann wäre meines Erachtens die Synode schon von vornherein zum Scheitern verurteilt.“

(rv 19.11.09 sk)
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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <title>Was es nicht alles gibt: Islamischer Feminismus</title>
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      <description>  00:03:08:16  Islamischer Fundamentalismus? Gibt`s – das wissen wir, nicht erst seit Nine-Eleven. Islamischer Feminismus? Davon haben wir noch nicht soviel gehört... Dabei gibt`s den auch. Sagt die Professorin Eva-Maria Pföstl von der Päpstlichen Universität San Pio V in Rom. Und sie ruft dazu auf, diese und andere wichtige Bewegungen in der islamischen Welt auch wahrzunehmen: Denn diese islamische Welt ist bei weitem nicht der einheitliche Block, als der er von außen erscheinen mag.

„Ja, es gibt auch einen islamischen Feminismus – und der ist sehr interessant, denn er bringt etwa die Rechte der Frauen mit dem Koran in Einklang. Man versucht also, einen Zusammenhang zu finden zwischen den Menschenrechten – darunter den Rechten der Frauen, ihren Ansprüchen, ihren Wünschen nach mehr Freiheit und Vertretensein in der Öffentlichkeit – und den Vorschriften des Korans! In Marokko z.B. ist das bestens gelungen mit dem neuen Familienrecht: Darin ist festgelegt, dass die Frau mehr Rechte hat, aber ohne dass die islamische Struktur der Familie dadurch irgendwie beeinträchtigt würde. Und genauso Ägypten: Dort hat man im Jahr 2002 das Scheidungsrecht geändert, und auch dort wurde praktisch diese Zusammenarbeit zwischen den religiösen Aspekten und den universellen Rechten der Frauen gesucht; das ist auch gelungen!“

Wo kommt denn diese Bewegung her? Das wird ja kaum beeinflußt sein vom westlichen Feminismus... oder etwa doch, über irgendwelche untergründigen Kanäle?

„Ich glaube, es kommt direkt von den Frauenbewegungen innerhalb der islamischen Staaten. Sicherlich ist auch ein Einfluß von den feministischen Bewegungen von außerhalb dieser Länder zu sehen, aber das Resultat ist eben ein anderes. Man hat dort nicht diese universellen Ansprüche, welche die feministischen Bewegungen in Europa und Amerika haben, sondern man versucht das Lokale mit dem Globalen zu kombinieren.“

Dann hat aber doch eine islamische Feministin mit einer westlichen sehr wenig gemeinsamen Grund und sehr wenig zu besprechen – oder?

„Nein – sie haben sicher sehr viel gemeinsam! Denn die Frauen wollen ja alle dasselbe: Gleichberechtigt sein, Mitspracherechte haben. Nur versucht man eben, dies innerhalb der islamischen Traditionen fortzuführen, denn ansonsten hätte natürlich die islamische Frauenbewegung keinerlei Möglichkeit, ihre Forderungen durchzusetzen. Und so haben sie auch nicht nur innerhalb der traditionellen Frauenbewegungen einen Zuspruch, sondern auch innerhalb der politischen Parteien (soweit sie existieren) eine Unterstützung.“

Wenn man von hier, vom Westen, aus in die mehrheitlich islamischen Länder schaut, dann sieht man Burqas und Frauen, die ins Innere des Hauses verbannt werden. Wo gibt es überhaupt noch Spielräume weiblicher Autonomie, wo Frauen wirklich bestimmen und entscheiden? Nur im Haus? Ist das nicht ein zu kleiner Raum?

„Na ja – vom Haus einmal abgesehen gibt es ja auch die Universitäten und viele öffentliche Einrichtungen, wo die Frauen einige ihrer Rechte durchsetzen können. Logischerweise kann man jetzt nicht von einer vollen Gleichberechtigung der Frauen sprechen; aber sie haben Fortschritte gemacht. Das spiegelt die Entwicklung in der Gesellschaft wider: Die Gesellschaften funktionieren nur dann gut, wenn die Frauen gleichberechtigt sind. Die Harvard-Universität hat dazu erst kürzlich eine Studie veröffentlicht, die genau nachweist: Wo Frauen gleichberechtigt sind, gibt es weniger Konfliktsituationen. Das ist das Resultat einer weltweiten Studie.“

(rv 19.11.2009 sk)
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      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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      <title>Papst: „Christliches Studium ist nicht vom Gebet zu trennen“</title>
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      <description>  00:13:52:51  Wissen braucht eine „Einleuchtung durch den Glauben“. Das fordert Papst Benedikt XVI. an diesem Donnerstag. In der Audienzhalle traf er die Studenten und Professoren der Päpstlichen Universitäten. Über 1.300 Katholische Lehranstalten gibt es auf der ganzen Welt. Alleine in Rom studieren Frauen und Männer aus aller Welt an acht verschiedenen Fakultäten, die den Titel einer „Päpstlichen Universität“ tragen. Dominik Skala war für uns in der Aula:

„Liebe Freunde, euer Bemühen um den Dienst an der Wahrheit, die Gott geoffenbart hat, ist ein Dienst, der sich an der Verbreitung des Evangeliums beteiligt, das Christus der Kirche aufgetragen hat. Er ist ein wirklich kirchlicher Dienst. Christliches Studium ist immer auf den Schluss des Matthäusevangeliums ausgerichtet: Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“

Diese Worte hat Papst Benedikt XVI. über fünftausend Theologiestudenten mitgegeben, die sich am Donnerstag in der Audienzhalle im Vatikan versammelt hatten. Aus Anlass der Eröffnung des akademischen Jahres an den päpstlichen Universitäten in Rom mahnte Benedikt die Studierenden und Lehrenden aus den verschiedensten Nationen, dass sich das Studium der Theologie nicht im Lesen von Büchern erschöpft: 

„Gleichzeitig ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass das wissenschaftliche Studium der Theologie nicht vom Gebet getrennt werden darf. Die Einheit mit Gott, die Kontemplation, das Nachsinnen über die göttlichen Geheimnisse gehören zu einer wirklichen intellektuellen Beschäftigung. Jede wissenschaftliche Theologie zielt auf eine „Wissenschaft des Heiligen“ hin. Sie ist ein Ringen um das Geheimnis des lebendigen Gottes und um Weisheit, die ein Geschenk des Heiligen Geistes ist.“

Unter den Besuchern der Audienz natürlich auch deutschsprachige Theologiestudenten. Viele von ihnen sind nur für ein oder zwei Semester, für das sogenannte „Freijahr“, in Rom. Damit unterscheiden sie sich von den meisten Studenten aus anderen Ländern, die oft ihr ganzes Theologiestudium hier verbringen. Warum sind sie nach Rom gekommen? Alexander Sieler aus Siegen versucht eine Antwort zu finden: 

„Mit Rom verbinde ich einfach das Zentrum des katholischen Christentums, aber nicht nur des Katholischen, sondern auch des Gesamtchristlichen. Rom war immer ein großes Zentrum, und man kann in Rom nicht einfach nur Theologie studieren, sondern man kann Theologie erleben.“

Das Christentum an seinen Quellen zu erleben, ist ein Grund für Martina Marlin aus Freiburg: 

„Der Schlüsselpunkt war, das Christentum ad fontes zu erleben. Das war jetzt eine wirklich gute Entscheidung, weil ich hier Weltkirche kennenlernen konnte. Ich finde auch schön die ganzen Arten von Liturgie, die hier gefeiert werden, die man sonst in Deutschland in der Ortskirche oder in der Kleinstadt nicht erlebt.“

Ein Studienjahr in Rom regt auch zum Nachdenken über die Kirche an. Felix Hunger aus Luzern hat mit Blick auf die Brücke zwischen seiner Heimat Schweiz und Rom ein Thema gefunden: 

„Ja, ich wünsche mir einen verstärkten Dialog zwischen Orts- und Weltkirche. Das bedingt aber, dass wir, wenn wir von Ortskirche reden, die Weltkirche auch mitdenken und auf der anderen Seite, dass wenn von Weltkirche gesprochen wird, die Weltkirche auch mitgedacht wird. Hier finden wir ganz verschiedene Voraussetzungen, wie Kirche gelebt wird und gelebt werden kann, und wenn wir das ernst nehmen wollen und wenn wir auch die Leute dort abholen wollen, wo sie stehen, dann müssen wir, denke ich, in Zukunft auch vermehrt Rücksicht nehmen auf die Gegebenheiten vor Ort. Das kann ganz verschiedenes bedeute, trotzdem aber die Einheit wahren und ich denke: viele Veränderungen würden der Einheit keinen Abbruch tun.“

(rv 19.11.2009 ds/mg)</description>
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      <title>UNO/Vatikan: „FAO-Gipfel diente als Mahnung“</title>
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      <description>  00:11:22:75  Nicht alle Teilnehmer des FAO-Welthungergipfels in Rom sind enttäuscht von den Ergebnissen des Treffens. Der Vatikanvertreter bei der UNO-Organisation für Ernährungs- und Landwirtschaftsfragen sieht darin nämlich eine „Mahnung an alle“, sich des internationalen Hungerproblems bewusster zu werden. Solche Gipfeltreffen seien vor allem für die öffentliche Meinung wichtig, sagt Erzbischof Renato Volante gegenüber Radio Vatikan:

„Die Resultate des FAO-Summits entsprechen meinen Erwartungen. Ich selber habe nicht erwartet, dass konkrete Maßnahmen verkündet werden sollten, also dass die FAO uns sagen soll, wie man besser Gemüse anpflanzt oder dergleichen. Vielmehr ging ich davon aus, dass wir alle daran erinnert werden, wie dramatisch die Hungerkatastrophe in vielen Teilen der Welt ist. Das Hunger-Drama kann nur dadurch gelöst werden, wenn es jedem einzelnen von uns bewusst ist, dass wir einer einzigen großen Weltfamilie angehören. Jeder von uns trägt also Verantwortung. Wir im Westen wissen doch, dass wir genügend Nahrung haben nicht nur für uns sondern auch für alle Armen auf der Welt.“

Der dreitägige Uno-Welternährungsgipfel in Rom ist am Mittwoch zu Ende gegangen – laut Kritikern ohne konkrete Ergebnisse. Die Teilnehmer einigten sich in der Schlusserklärung darin, dass die Resultate der Gespräche unverbindlich seien. Bereits am Montag hatten die 190 FAO-Mitgliedstaaten eine Erklärung verabschiedet. In der Erklärung wird der Wille bekräftigt, die im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen formulierten Millenniumsziele zu erreichen. Diese sehen vor, die Zahl der von Hunger Betroffenen bis 2015 zu halbieren. Konkrete Maßnahmen oder finanzielle Zusagen um dieses Ziel zu erreichen blieben aber aus.

(rv/afp 19.11.2009 mg)</description>
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      <title>Nahost: Jerusalem-Frage ist ausschlaggebend</title>
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      <description>  00:10:59:54  Die Lage im Nahen Osten spitzt sich weiter zu: US-Präsident Barack Obama sieht das Ziel eines Friedensabkommens zwischen Israelis und Palästinensern durch den Siedlungsbau in Ost-Jerusalem bedroht. In einem Interview nannte er die Haltung Israels „gefährlich“. Die Regierung in Tel Aviv wies die Kritik zurück. Ein Mitarbeiter von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte das Siedlungs-Projekt einen normalen Vorgang, um den sich der Regierungschef gewöhnlich nicht kümmere.
Das künftige Zusammenleben zwischen den beiden Völkern sei davon abhängig, wie die Jerusalem-Frage gelöst werde. Das sagt uns der vatikanische Nahost-Fachmann, Franziskanerpater David Maria Jaeger.

„Denn aus israelischer Sicht gilt Ost-Jerusalem bereits jetzt als Teil des israelischen Staates. Die Bewilligungen für den Siedlungsbau wurden deshalb ohne die Berücksichtigung der internationalen Abkommen gegeben. Ein weiterer Punkt betrifft West-Jerusalem, auch dort geht es darum, die Stadt noch stärker mit dem israelischen Territorium zu vereinen. Was nun den Ostteil der Stadt betrifft, so geht es bei den Siedlungen darum, eine klare politische Botschaft zu vermitteln: Israel sagt damit aus, dass bei jeglichen Abkommen mit den Palästinensern die Jerusalem-Frage nur eine Antwort haben kann, nämlich dass die Stadt israelisch sein sollte.“

Das israelische Innenministerium hatte am Dienstag den Bau von 900 neuen Wohneinheiten im besetzten Osten von Jerusalem genehmigt. In diesem Stadtteil leben etwa 270.000 Palästinenser und 180.000 jüdische Israelis. Israel hatte den Ostteil der Stadt im Zuge des Sechstagekrieges 1967 besetzt und später annektiert. Die Einnahme wurde international nie anerkannt, ebenso wenig wie der Status von Jerusalem als Hauptstadt Israels. Die Palästinenser wünschen sich Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

(rv/afp 19.11.2009 mg)</description>
      <author>webteam@vaticanradio.org</author>
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