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01/11/2008 13.34.17



D/Vatikan: Gemeinsam das Reformationsjubiläum begehen?






Zum Reformationstag hat der Mainzer Kardinal Karl Lehmann einen Blick auf die Gemeinsamkeiten der Konfessionen angemahnt. Es werde „höchste Zeit, dass wir im Interesse einer wahrheitsgetreuen Deutung den tiefen Zusammenhang Luthers mit der ganzen Geschichte der einen, heiligen, katholischen (allgemeinen) und apostolischen Kirche stärker sehen müssen.“ Das sagte Lehmann in seiner Predigt bei der zentralen Bonner Reformationsfeier am Freitagabend in der dortigen größten evangelischen Kirche. Dabei sprach er sich für eine gemeinsame Vorbereitung der 500-Jahr-Feiern der Reformation aus. Es sei gut, „wenn wir gemeinsam in den nächsten Jahren bis 2017 das Vorhaben realisieren, zusammen zu beschreiben, wie wir die Reformation beurteilen und bewerten“. Es gebe nicht nur „die zertrümmerten Marienstatuen, sondern es gibt eine erstaunliche Kontinuität, die wir aber noch nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht haben“, so der Kardinal. Als Beispiele der Verbundenheit nannte er die Bibel, die großen Glaubensbekenntnisse und die Konzilien der Alten Kirche. Aber auch durch die mittelalterliche Welt sei man enger geeint, „als uns manche Polemik zu denken übrig lässt“.
Derweil gibt es Signale für eine mögliche Einbeziehung des Vatikans in das Reformationsjubiläum 2017. Das berichtet die evangelische Nachrichtenagentur idea. Im Vorfeld des 500-jährigen Reformationsjubiläums wollten Protestanten und Katholiken das gemeinsame Gespräch intensivieren, so idea. Der protestantische CSU-Politiker Peter Gauweiler habe dazu in den den letzten Tagen Gespräche im Vatikan geführt, u.a. mit Kardinal Jean-Louis Tauran und Erzbischof Gianfranco Ravasi. Gauweiler betont, er habe dabei deutlich machen können, dass das Reformationsjubiläum für Deutschland ein zentrales weltkulturelles Ereignis der kommenden Jahre sei. Deshalb wäre es erfreulich, wenn die katholische Kirche sich an den Feierlichkeiten beteiligen und damit ein symbolisches Zeichen setzen würde. „Zwar wissen wir, dass der über Martin Luther ausgesprochene Bann mit dem Tod endet“, so Gauweiler. „Trotzdem wäre es ein Zeichen mit mächtiger Symbolkraft, wenn der Papst den Bann förmlich lösen würde, so wie Papst Johannes Paul II. die Verurteilungen Galileo Galileis aufgehoben hatte.“
Der Papst hatte 1521 den Bannfluch über Luther verhängt, nachdem dieser sich geweigert hatte, seine Lehren offiziell zu widerrufen. Wie Gauweiler weiter sagte, sei er damit im Vatikan nicht auf Ablehnung gestoßen. „Ich hatte den Eindruck, dass es eine große Bereitschaft zum verständnisvollen Dialog mit dem deutschen Parlament gibt.“ Deshalb will der Kulturausschuss des deutschen Bundestages, den Gauweiler leitet, das Gespräch mit dem Vatikan über das Reformationsjubiläum in den nächsten Jahren vertiefen. Der CSU-Politiker wurde bei seinen Gesprächen in Rom von Abgeordneten aller Bundestagsparteien begleitet.
(kna/idea 01.11.2008 sk)


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