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10/11/2008 15.46.15



Zimbabwe: Missstände im Land verschärfen sich weiter






Der Jesuitenpater Oskar Wermter hat die wachsenden Missstände in dem südafrikanischen Land beklagt. Die humanitäre und die menschenrechtliche Situation müssten beim Besuch Papst Benedikts XVI. in Afrika und bei der Afrikanischen Bischofssynode 2009 thematisiert werden.
Wermter berichtete jetzt mit großer Sorger von der bedrohlichen Lage der Menschen in Mbare, einem Township im Süden Harares. Die mangelnde Achtung der Menschenwürde im Land und das Fehlen einer Rechtsgrundlage des Staates hätten Folgen, die sich in Mbare beispielhaft zeigten. Arbeitslosigkeit und Krankheit zeichneten die Familien vor Ort, denen es an jeglichen Lebensgrundlagen, wie Nahrungsmitteln und Trinkwasser, mangele. Neben der AIDS-Epidemie, der sich viele Menschn noch immer nicht stellten, habe sich die Cholera zu einem ernsten Problem entwickelt. Das Ortskrankenhaus in Mbare sei überbelegt, jedoch mangele es hier an Personal und Medikamenten. Hinzu käme, dass der Polit-Terror, der nach dem Wahlsieg von Mugabe im Juni im Land um sich gegriffen hatte, viele Opfer hinterlassen habe. Diese seien medizinisch und pastoral zu betreuen. Eine Wiedergutmachung für die Opfer der systematischen Gewalttaten und Folterungen stehe noch aus.
(rv 10.11.2008 vp)

Hier dokumentieren wir das Schreiben des Jesuitenpaters auszugsweise:

Das Abkommen zwischen den (seit dem Wahlbetrug vom 27. Juni 08 nicht mehr legitimen) Machthabern und der von der Mehrheit gewählten Partei verspricht, dass Recht und Gesetz wieder gelten sollen. Doch politische Gegner sitzen weiterhin im Gefängnis. Die “herrschende Partei” hält sich weiterhin mit Gewalt an der Macht. In Mbare sind mehr als 100 Familien aus ihren Wohnungen vertrieben worden, die jetzt von “Parteifreunden” besetzt sind. Die Polizei, die sich weiterhin als Arm von Mugabes Partei versteht, weigert sich, die rechtmäßigen Eigentümer wieder einzusetzen.
Seit voriger Woche ist unser Ortskrankenhaus, normalerweise mit TB/HIV – Patienten belegt, voll von Cholera-Kranken. Das ist die Folge davon, dass es in manchen Stadtteilen seit Monaten kein Trinkwasser mehr gibt. Die Kanalisation funktioniert nicht mehr. Abwässer laufen über die Strasse. Staatliche Kankenhauser haben kaum noch Personal und Medikamente. Private Kliniken arbeiten noch gut, aber wer kann das bezahlen? Bittsteller kommen mit ihren Rechnungen und wollen Hilfe von unserer Caritas. Unsere zwei Schulen in Mbare arbeiten noch, obschon viele Lehrer nicht mehr kommen, wegen Streik oder weil sie das Geld für den Bus nicht mehr haben. Ordensleute machen noch, was sie können. Allgemein funktionieren kirchliche Schulen noch, wo andere schon die Tore geschlossen haben. Für viele Schüler wird 2008 ein verlorenes Jahr sein. - Seit einem halben Jahr arbeitet die Regierung nicht mehr. Das Regime kämpft ums Überleben, klammert sich an Macht und Privilegien. Das Gemeinwohl zählt nicht. Würde und Integrität des Einzelnen werden ignoriert. Lüge und Propaganda erlauben es nicht, sich der Wahrheit zu stellen. Geld ist mischt mehr das Papier wert, auf dem es gedruckt ist. Die Erwachsenen werfen es weg und Kinder spielen damit auf der Strasse.
Fazit: ein Staat ohne ethische Grundlagen, ohne Achtung vor Menschenwürde, ohne Sorge um das Gemeinwohl, ohne Solidarität, funktioniert einfach nicht. Es ist eine Fehlkonstruktion. Viele Politiker sehen nicht, dass diese Regierung keine Rechtsgrundlage und Legitimität mehr besitzt. Sie sehen nur, dass Mugabe faktisch die Macht hat durch Zwang, Folter und Gewalt.
Sie respektieren die Macht und verachten den Menschen. - Das ist die Wurzel des afrikanischen Elends, ob in Zimbabwe, im Kongo oder sonstwo. Im Jahre 2009 wird Papst Benedikt zum ersten Mal nach Afrika kommen und in Rom die afrikanischen Bischöfe zu ihrer Synode treffen. Das wird ihr Thema sein müssen.


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