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10/11/2008 14.12.00



Ukraine: Rolle der Laien stärken






Die Rolle der Laien in den Kirchen des byzantinischen Ritus ist im Westen meist unbekannt. Wer an Ostkirchen denkt, stellt sich wohl meist Patriarchen, Metropoliten oder Priester vor, die mit reich verzierten Messgewändern die Liturgie feiern. Doch auch die Laien spielen eine wichtige Rolle, und das nicht nur in der Liturgie. Dazu fand vergangene Woche in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ein Treffen der Laien der griechisch-katholischen Kirche statt. Zwar waren vorwiegend Laien aus der ukrainischen Kirche anwesend, doch die besprochenen Themen betreffen auch andere osteuropäische Kirchen.

Ein Beitrag von Mario Galgano und Stefan von Kempis:

Laien in den Ostkirchen ist zugegebenermaßen ein Thema, dass erst seit wenigen Jahren in den entsprechenden Kirchen besprochen wird. Das liegt nicht nur daran, dass dort die Kirchen während der Sowjetzeit verfolgt und verboten wurden. In ihrer Tradition spielen die Laien eine – so scheint es auf den ersten Blick – nebensächliche Rolle. In der Kirche dürfen sie im Chor mitsingen und eifrig mitbeten. Aber das war’s auch. Selbstverständlich stehen Laien den Priestern zur Seite, um bei den organisatorischen und administrativen Arbeiten zu helfen. Aber eine festgeschriebene Stellung haben die Laien in den Ostkirchen eigentlich nicht. Die mit Rom unierten Kirchen in Osteuropa haben in dieser Hinsicht eine Sonderrolle. Denn sie greifen auf die Regelung der Laien zurück, die in der römisch-katholischen Kirche gilt. Deshalb hat die ukrainisch griechisch-katholische Kirche bereits 2006 eine Laienkommission gegründet. Ihr Mitbegründer ist der Philosophieprofessor Yuri Pidlisny, der an der katholischen Universität in Lemberg doziert.

„Am 7 und 8 November haben wir in Kiew unser zweites Treffen gehalten. Wir haben über die Aufgaben der Laien in der Pfarrei, der Kirche und der Gesellschaft diskutiert. Der Hauptakzent lag eindeutig bei der Verantwortung in der Pfarrei. Denn, was die Laien in der Pfarrei machen dürfen, bestimmt auch ihr Stellung innerhalb der Kirche und der Gesellschaft. Leider gibt es in der Ukraine – und anderswo auch – ein negatives Klischee, das besagt, dass die Kirche vor allem die Gemeinschaft des Klerus, die Mönche und die Kirchgebäuden ist. Laien gelten als einfache Kirchgängerbesucher. Mehr nicht. Es ist so, als ob die Laien nur „Kunden“ der Kirchen wären, so wie sie „Kunden“ eines Geschäftes sind.“

Deshalb sieht sich die Laienkommission der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine als Vorreiter für die Stärkung der Laien in den Ostkirchen und in deren Gesellschaften. Dazu Pidlisny:

„Wir wollen aber nicht nur Laien ansprechen, auch Priester und Bischöfe sind wichtige Gesprächspartner, die uns weiterhelfen können. Wir wollen nichts Neues erfinden. Die Kirche soll weiterhin aus Priestern und Laien bestehen. Aber unsere Kommission möchte daran erinnern, dass sowohl der Hirte als auch die Herde bestimmte Verantwortungen übernehmen. Jeder ist aber Teil der Kirche und somit unentbehrlich.“

Die Laienkommission möchte nach ihrem jüngsten Treffen, die Gläubigen dazu motivieren, neue Impulse weiter zu geben.

„Dazu gibt es bereits viele gute Beispiele. Es gibt in der Ukraine viele Priester, die zusammen mit Laien Aktivitäten initiieren. Viele Laien haben aber Angst, etwas für die Kirche zu tun, weil sie im Gegensatz zu Priestern keine theologische Ausbildung gemacht haben. Das macht aber meiner Meinung nach nichts. Es genügt doch, wenn er seine Talente für die Gemeinschaft zur Verfügung stellt. Jesus war ja selber auch kein Priester sondern ein Schreiner. So kann doch ein heutiger Schreiner, den Jugendlichen in seiner Gemeinde lehren, wie man einfache Holzarbeiten durchführen könnte.“

Laien sind vor allem für die Hilfe in ärmeren Gegenden wichtig. Und die gibt es viele in ganz Osteuropa und Asien. Dazu sagt Yuri Pidlisny von der ukrainischen Laienkommission:

„Gerade in Gebiete wie Sibirien und Kasachstan, wo die Kirche seit 40 Jahren unter schwierigen Umstände lebt, sind die Laien gefordert, den Priestern und Bischöfen beizustehen. Laien aus reicheren Gegenden könnten eine ärmere Pfarrei sozusagen „adoptieren“. Da es sich um große Distanzen handelt, beschränkt sich das auf die reine finanzielle Hilfe. Auch da erfinden wir nichts Neues. Es gibt ja bereits die hervorragende Arbeit von Institutionen wie Renovabis oder „Kirche in Not“, mit denen wir zusammenarbeiten.“
 (rv 10.11.2008 mg)


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