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01/12/2008 13.18.21



Brasilien: Wenn Städte aus den Nähten platzen






Mitten im brasilianischen Regenwald liegt Manaus, eine Stadt, die in den letzten zwanzig Jahren ihre Einwohnerzahl verdoppelt hat. Zwei Millionen Menschen leben jetzt dort; das ist zwar viel weniger als in Rio oder Sao Paolo, aber man muß bedenken: Manaus liegt mitten im Urwald, hat kaum Straßen, keine Eisenbahn. Ihr Boom hängt mit der aufstrebenden Elektronik-Industrie zusammen, und er zieht Menschen aus dem ganzen Amazonas-Becken an. Erzbischof in diesem Hexenkessel ist Luiz Vieira.

„Die Stadt ist natürlich sehr unorganisiert, sehr wild gewachsen; die Hälfte der Stadtteile sind durch einfache Landbesetzungen entstanden. Die Menschen haben sich einfach angesiedelt, ohne irgend jemand zu fragen, ohne dass die Infrastruktur dafür aufgebaut werden konnte. Und das hat natürlich zu riesigen sozialen, wirtschaftlichen und auch materiellen Problemen geführt; wie gesagt, ein Großteil der Stadt ist völlig ohne jede Planung entstanden.”

Das vervielfacht die Probleme von 18 Millionen Menschen – vor allem bei den ärmsten zwölf Millionen. In den Favelas gibt es zuwenig Raum, zuwenig Essen, sogar zuwenig Trinkwasser. Auch zu wenig Hoffnung, möchte man meinen. Aber Erzbischof Vieira sieht in seiner Riesenstadt beide Extreme angelegt. Die große Stadt kann eine Verheißung sein wie ein neues Jerusalem – obwohl man vor allem das Elend und die schlimmen Seiten sieht...

Städte wie Manaus haben leider auch einige Dinge wie Babel. Wo bei uns die große Kluft zwischen arm und reich ist, ist Gewalt. Es gibt Menschen, die super reich sind, andere, die so arm sind, dass sie Hunger leiden, dass sie keine Menschenwürde mehr haben, dass niemand sie respektiert.
Aber Jerusalem ist natürlich auf der anderen Seite auch präsent in unserer Stadt. Und Jerusalem bedeutet die Anwesenheit Gottes durch bestimmte Menschen, bestimmte Menschen, die sich eben darum kümmern, dass denjenigen, die keine Würde mehr haben, diese Würde zurück gegeben wird.“

Die Würde der Menschen in Lateinamerika respektieren – das fordert auch das deutsche katholische Hilfswerk ADVENIAT. Es eröffnete an diesem Wochenende in Essen seine Advent-Aktion. Titel: „Gott wohnt in ihrer Mitte.“ Im Fokus: die schnell wachsenden Städte wie Manaus. Adveniat-Bischof Felix Genn aus Essen findet, dass Christen in der westlichen Welt von ihren Glaubensbrüdern in Lateinamerika auch viel lernen können.

(rv - Material von Adveniat - 01.12.2008 sk)


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