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03/12/2008 12.00.33



Vatikan: Auszeichnung für „vorbildliche Solaranlage“






Der Vatikan wird für sein Engagement bei der Gewinnung von Sonnenenergie ausgezeichnet. Die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien (Eurosolar) ehrt ihn mit einem der Europäischen Solarpreise 2008. Vor wenigen Wochen war auf dem Dach der Päpstlichen Audienzhalle eine Photovoltaik-Anlage mit 2.400 Modulen in Betrieb gegangen. Bei der Feier am Mittwochabend in Berlin wollen der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, und Ingenieur Pier Carlo Cuscianna von der Verwaltung des Vatikanstaats die undotierte Auszeichnung entgegennehmen. Die Laudatio hält der evangelische Theologe und Publizist Jürgen Fliege. Insgesamt verleiht der Verband bei der Feier elf Solarpreise.

In der Begründung der Auszeichnung heißt es, die Päpstliche Audienzhalle könne als Vorbild „für eine ökologische Umgestaltung von Gebäuden in historischen Ensembles in Europa und der ganzen Welt dienen“. Das Projekt sei nicht nur aus ökologischen Gründen vorbildlich. Es entspreche auch den Regeln der Internationalen Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern. Die Solarmodule passten sich der Ästhetik des Daches an.

Das vatikanische Pilotprojekt auf dem fußballfeldgroßen Dach der Halle „Paolo VI“ soll künftig bis zu 300.000 Kilowattstunden jährlich erzeugen; das entspricht dem Bedarf von 100 Haushalten oder 20 Prozent dessen, was der Vatikanstaat an Strom verbraucht. Die umweltfreundlich erzeugte Energie soll jährlich 225 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid einsparen. Finanziert wurde die Anlage von einer Bonner Solarfirma.

Hören Sie hier einen Kommentar des deutschen Journalisten und Buchautors Franz Alt

(kna/rv 03.12.2008 mg)

Schon vor seiner Wahl zum Papst hat Kardinal Ratzinger gesagt, Solarenergie sei für die Bewahrung der Schöpfung ganz wichtig. Jetzt hat der Papst seinen Worten Taten folgen lassen. In der vergangenen Woche wurde auf dem Dach der Audienzhalle neben der Peterskirche eine große Solarstromanlage eingeweiht. Sie liefert Energie von ganz ganz oben, sozusagen „Energie vom Chef selber“ und zwar 300.000 Kilowatt-Stunden pro Jahr; etwas so viel Strom, wie 300 Menschen verbrauchen. Den Stoff gibt es als Geschenk des Himmels umsonst: Die Sonne schickt uns keine Rechnung, und umweltfreundlich ist er auch noch. Das Öko-Engagement des Papstes erspart der Umwelt jedes Jahr 315 Tonnen Treibhausgase. Benedikt XVI. hat ein demonstratives Zeichen für das Solarzeitalter und für den Klimaschutz gesetzt – mitten in den Zeiten der Finanzkrise.

Die Finanzkrise ist in einigen Jahren bewältig. Ganz anders aber die Klimakrise. Sie ist die Überlebensfrage der Menschheit, sagt die deutsche Bundeskanzlerin. Wir verbrennen heute an einem Tag so viel Kohle, Gas und Öl wie die Natur in 500.000 Tagen angesammelt hat. Täglich emittieren wir deshalb 100 Millionen Tonnen Treibhausgas. Das kann unser Planet auf Dauer nicht aushalten. Täglich wachsen die Wüsten um 30.000 Hektar zusätzlich; und täglich rotten wir auch durch unsere verheerende Energiepolitik 150 Tier- und Pflanzenarten für immer aus. Nie hat eine Generation vor uns dem Schöpfer so sehr ins Handwerk gepfuscht und Evolution rückwärts gespielt, wie wir es heute täglich tun. Sind wir noch zu retten?

Eigentlich gibt es gar kein Energieproblem, es gibt nur falsches Energieverhalten. Aber dies können wir ändern. Die Lösung der Energiefrage steht am Himmel, die Sonne schickt uns jeden Tag 15.000 Mal mehr Energie auf die Erde, wie zur Zeit alle Menschen derzeit verbrauchen. Schon der wunderbare junge Mann aus Nazareth hat vor 2000 Jahren seinen Freunden mitten in der Bergpredigt gesagt: Die Sonne des Vaters scheint für Gute und Böse, das heißt für jeden von uns. Es gibt den ökologischen Jesus. Das ganze Neue Testament ist voll großartiger ökologischer Bilder, worauf warten wir eigentlich? Neben der Sonne können wir fünf weitere riesige erneuerbare Energieträger nutzen: Die Windkraft, die Wasserkraft, die Erdwärme, die Bioenergie, und die Wellen- und Strömungsenergie der Ozeane: Energie in Hülle und Fülle, direkt vor unserer Haustür, über uns und unter uns.

Warum holen wir aber Erdöl aus Arabien, Gas aus Sibirien, Uran aus Australien? Aber die heimische Sonne, den heimischen Wind, die heimische Bioenergie und die heimische Erdwärme nutzen wir nicht! Die Techniken zur Nutzung der erneuerbaren Energieträger sind längst vorhanden. Deutschland gewinnt in diesem Herbst immerhin 15 Prozent seines Stroms bereits aus erneuerbaren, umweltfreundlichen und preiswerten Quellen. In Österreich sind es bereits über 70 Prozent. Die 500.000 Ostfriesen in Norddeutschland produzieren schon 96 Prozent ihres Stroms regenerativ. Es geht also, wenn es wirklich gewünscht ist!

Noch können wir einen Fluchtweg aus dem Treibhaus organisieren, die Lösung heißt: Energie effizienter nutzen, Energie sparen und den Rest zu Hundert Prozent erneuerbar produzieren. Wenn wir gut sind, schaffen wir diese solare Energierevolution bis 2030. Der Papst hat jetzt vorgemacht, wie es geht und dass es geht. Der Papst wurde grün. Dafür hat er in dieser Woche in Berlin den erupäischen Solarpreis bekommen. Sonnigen Glückwunsch aus Deutschland nach Rom!

Franz Alt


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