RVRadio Vatikan
foto

Kategorien


  Caritas und    Solidarität


  Kirche


  Kultur und    Gesellschaft


  Vatikan


  Synode


  Ökumene


  Familie


  Jugendliche


  Gerechtigkeit und    Friede


  Politik


  Religion und Dialog


  Wissenschaft und    Ethik


  Audienzen und    Angelus


  Apostolische Reisen


cx_tc08


CTV - You tube

CTV



 home > Vatikanische Dokumente  > Nachrichten


13/01/2009 13.47.32



Der Vatikan, Hitler und die Exkommunikation - ein Gespräch mit Kardinal Bertone






Papst Benedikt XVI. erwägt Reisen nach Asien, eventuell in ein arabisches Land. Seine Enzyklika zur Globalisierung erscheint in wenigen Monaten, und mit dem Instrument der Exkommunikation für Verbrecher - wie etwa Chefs von Drogenkartellen - kann er sich nicht anfreunden. Das alles und mehr verriet Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, die Nummer zwei im Vatikan, im Gespräch mit mexikanischen Journalisten vor dem Weltfamilientreffen, zu dem Benedikt ihn als seinen Gesandten schickt.

„Sie wissen, dass der Papst als Präfekt der Glaubenskongregation Mexiko bereist hat; einmal waren wir da auch zusammen unterwegs, eine Woche lang in Guadalajara. Der Papst liebt Mexiko sehr, und er bedauert es, diesmal nicht hinzufahren. Ich sage absichtlich nicht, dass er nicht hinfahren KANN, etwa aus gesundheitlichen Gründen, darüber ist ja viel spekuliert worden. Dem Papst geht es gut, ganz abgesehen von seiner Lebendigkeit, seinem phänomenalen Erinnerungsvermögen, in dem er jedem von uns überlegen ist. Vielmehr ist es so, dass er bei seinen Reisen eine eigene „Architektur“ hat. Er kann keine dreifachen Salti schlagen wie damals Johannes Paul II, denn er hat nicht mehr dessen anfängliches Alter, bald wird er 82.“  
Der Papst teilt sich seine Kräfte ein, und er wirft einen Blick auf die Landkarte, eher er ein Reiseziel festlegt, sagt Bertone. In Lateinamerika – Brasilien - war er bereits, er war in Nordamerika (USA), und für 2009 legt er den Schwerpunkt auf Afrika.

„Natürlich muss der Papst nun nach Asien schauen. Er erhält, denken Sie, viele Einladungen aus arabischen Ländern bis hin nach Asien, Ostasien, und auch an solche Reisen muss er denken, selbst wenn sie besonders anstrengend sind.“ 
Eine spätere Papstvisite in Mexiko schloss Bertone nicht aus. Wie auch immer: beim Weltfamilientag wird Benedikt XVI. mit zwei Videobotschaften vertreten sein.

„Aus Anlass des eucharistischen Weltkongresses wurde im Apostolischen Palast ein eigener Videosaal eingerichtet. Es liegt in der Terza Loggia, also im selben Stockwerk wie das päpstliche Apartment. Dort kann der Papst Videobotschaften aufzeichnen und Videokonferenzen abhalten und das Geschehen - etwa in Mexiko - auch live mitverfolgen. Er wird also eine wichtige Rede beim abendlichen Treffen mit den Familien halten und beim Gottesdienst am 18. Januar ein Schlusswort sprechen, im Stil eines Angelusgebetes. Vorher wird er die ganze Messe per Video mitverfolgen.“ 
Wie Bertone erwähnte, sorgt man sich im Vatikan über die derzeitige Lage in Mexiko: Unsicherheit, Gewalt, Drogenhandel.

„Der Kampf gegen Drogenhandel ist Pflicht, in Mexiko wie in anderen lateinamerikanischen Staaten, wo der Kampf zwischen bewaffneten Banden ein Klima der Unsicherheit schafft. Wir müssen im Kampf gegen Drogen unsere Kräfte vereinen. Die Kirche beteiligt sich vor allem über die Erziehung der Gewissen. Und sie wünscht, dass die Jugendlichen von der deprimierenden und verwahrlosenden Sklaverei der Droge befreit werden, die sie daran hindert, ihre Persönlichkeit und ihre Talente zu entfalten.“ 
Wäre nicht auch die Exkommunikation von Drogenbossen, der Ausschluss aus der Gemeinschaft der Kirche, ein probates Mittel von Seiten der Kirche – fragt man sich in Mexiko. Bertone erklärt, warum der Heilige Stuhl dieses Mittel nicht anwenden möchte.

„Sicher ist die Exkommunikation ein sehr strenges Abschreckungsmittel, das die Kirche seit den ersten Jahrhunderten gegenüber den schlimmsten Delikten anwendet. Ich muss aber anmerken, dass die Exkommunikation als Bestrafung nur jene berührt, die in irgendeiner Weise ein kirchliches Gewissen haben. Über Hitler oder Stalin eine Exkommunikation zu verhängen, wäre nutzlos gewesen, weil sie sich darum nicht gekümmert hätten. Nach außen hin ist es ein Signal, aber leider hilft das nicht bei der Bekehrung der Gewissen. Die Bekehrung kommt von Gott, sie ist aber auch Frucht der evangelischen Verkündigung. Erinnern wir uns an die harten Worte Papst Johannes Paul II. in Agrigent (gegen die Mafia). Diese Worte haben einige Herzen berührt. Auch das mutige Zeugnis der Hirten kann etwas verändern. Wir wissen ja, dass in Fällen von Krieg, Gewalt, Camorra, ‘ndrangheta oder Mafia das Gewissen einer einzelnen Person die Haltung vieler verändern kann.“ 
Die USA haben einen Zaun an der Grenze zu Mexiko in die Wüste gesetzt. Ein Fanal, und wirkungslos dazu: Unzählige illegale Einwanderer dringen auf verschiedenen Wegen von Mexiko in die Vereinigten Staaten vor. Beiderseits des Zauns setzt sich die Kirche für diese Menschen ein – mit Zustimmung des Papstes, sagt Bertone. Im Moment bestehen in den USA Pläne, verstärkt Illegale auszuweisen oder ihnen die Möglichkeit zu nehmen, ihre Familienangehörigen zu unterstützen. Die Weltwirtschaftskrise, zu der sich der Papst bereits mehrmals äußerte, droht die Lage von Immigrantenfamilien weiter zu verschlechtern.

„Die Lage der Weltwirtschaft wirkt sich gerade auf die Schwächsten aus. Wie der Papst zu Weihnachten sagte, geht das alle an. Diese Schwierigkeiten kann man nicht einfach auf politische oder wirtschaftliche Autoritäten abwälzen, auf Bankenchefs und andere. Alle müssen solidarisch sein. Der Papst wird das nochmals in seiner Sozialenzyklika verdeutlichen, die in der Zielgerade ist und noch in der ersten Jahreshälfte veröffentlicht wird. Über die Immigranten haben sowohl der Papst als auch ich selbst direkt in den USA gesprochen, und wir stehen diesbezüglich auch mit den spitzen der mexikanischen und der amerikanischen Bischofskonferenz in Kontakt. Beide mühen sich um eine gute Behandlung dieser Immigranten, sei es, was die Einwanderung selbst betrifft, sei es, was die freie Zirkulation von Gütern und Mitteln anlangt. Übrigens haben wir uns in den USA auch dafür eingesetzt, dass Flüchtlinge aus Kuba ihre Familien finanziell unterstützen können. Wir hoffen, dass die Bischofskonferenzen die Staaten da positiv beeinflussen können, denn da geht es um essentielle Unterstützung für Familien.“
(rv 13.01.2009 gs)


  « Zurück

 



Vatikanische Dokumente

14/01/2009 16.40.05
Israel/Vatikan: Verhandlungen gehen weiter


14/01/2009 11.55.03
Vatikan/Österreich: Neuer Nuntius


13/01/2009 13.45.12
Vatikan: „Die Beichte wieder entdecken“


13/01/2009 11.41.45
Vatikan: Papst würdigt Pio Laghi(+)


13/01/2009 11.38.19
Polen/Vatikan: Santo nicht subito



Ähnliche Kategorien


Vorige seite  Vorige Seite
website  Website
Kontakt  Kontakt
top
top
All the contents on this site are copyrighted ©. Webmaster / Credits / Rechtliche Hinweise
top
top