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04/11/2009 13.52.52



Generalaudienz: „Theologische Konflikte sind möglich“






Jede Theologie will die Liebe zu Gott entfachen. Das war die Botschaft, die Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch den versammelten Pilgern mitgab. Das könne im Einzelfall auch Konflikt bedeuten, wenn einzelne Theologen verschiedene Ansätze verfolgten und in Streit miteinander gerieten. Der Papst nannte als Beispiel die Auseinandersetzung zwischen dem heiligen Bernard de Clairvaux und Pierre Abélard, die im 12. Jahrhundert ein intellektueller Skandal war. Beiden sei es um das Verständnis der Geheimnisse der Offenbarung Gottes gegangen, so Benedikt:
„Für Bernard besitzt der Glaube eine innere Gewissheit, die sich auf das Zeugnis der Heiligen Schrift und der Kirchenväter und auf das Lehramt stützt. Das Nachdenken über die Glaubenswahrheiten steht im Dienst der Gotteserfahrung und will eine größere Liebe zu Gott entfachen.“
Abélard hingegen, ein geborener Denker und brillanter Redner, untersuchte die theologischen Fragestellungen mit scharfem Verstand und der aus dem Studium der Philosophie gewonnenen Denkweise.
„In intellektualistischem Überschwang geriet er aber auch auf Abwege, denn er achtete zu wenig auf das gebotene Verhältnis zwischen der im Glauben angenommenen göttlichen Offenbarung und den philosophisch-rationalen Instrumenten, mit denen wir das Geheimnis Gottes in einem gewissen Maß erschließen können. Nach jahrelanger und in voller Schärfe geführter Debatte zwischen den beiden Theologen sah Abélard demütig seine Fehler ein, und Bernhard zeigte große Güte, so dass es zu einer Versöhnung in der Gemeinschaft der Kirche kommen konnte. Beiden lagen die Bewahrung des Glaubens und der Sieg der Wahrheit in der Liebe am Herzen, was die Grundhaltung in einer jeden theologischen Diskussion sein sollte.“ (rv 04.11.2009 ord)



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