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04/11/2009 15.58.42



Nahost: Bischöfe aus dem Orient geschockt über Kreuz-Urteil






Mit Verärgerung haben katholische Bischöfe aus dem Orient auf das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte reagiert. Die Missbilligung von Kreuzen in öffentlichen Schulen sei „schlichtweg eine Schande“, sagte der chaldäisch-katholische Bischof Shlemon Warduni, im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR am Mittwoch. Der Entscheid der Straßburger Richter schwäche die Position der christlichen Minderheiten im Nahen Osten. Unverständnis äußerten auch der Franziskaner-Obere des Heiligen Landes, P. Pierbattista Pizzaballa, und der Vorsitzende der Türkischen Bischofskonferenz, Bischof Luigi Padovese.

Warduni bezweifelte, dass Christen im Irak eine große Hilfe von Europäern erwarten könnten, die von sich aus die Symbole ihrer geschichtlichen und religiösen Tradition entfernen. „Wir kämpfen jeden Tag für die Anerkennung unserer Religions- und Kultfreiheit, während manche in Europa diese Rechte leugnen“, sagte der Bischof.

Padovese sprach von einer „Doppelstrategie“ des Straßburger Richterkollegiums. So habe an dem Urteil in Straßburg auch ein türkischer Richter mitgewirkt; in der Türkei selbst sei islamischer Religionsunterricht auch für Nichtmuslime verpflichtend, betonte Padovese. „Ich frage mich, von welcher Art Religionsfreiheit oder Respekt vor der Identität man sprechen kann, wenn in diesem Gericht ein Mitglied sitzt, in dessen Land die Religionsfreiheit nicht voll respektiert wird“, sagte der Vorsitzende der Türkischen Bischofskonferenz. Das Urteil spiegle zudem eine verengte Sichtweise und werde der viel komplexeren Frage der Religionsfreiheit in Europa nicht gerecht. Angesichts einer echten Diskriminierung religiöser Minderheiten gebe es „größere Probleme als die Frage, ob man ein Kreuz hängen lassen oder entfernen soll“, sagte Padovese.

Unverständnis äußerte auch der in Jerusalem residierende Franziskaner-Kustos P. Pizzaballa. In den katholischen Schulen des Heiligen Landes seien oft mehr muslimische als christliche Schüler. „In den Klassenräumen haben wir Kreuze, und es gibt keine derartigen Probleme“, sagte der Franziskaner. Den Entscheid der Straßburger Richter nannte Pizzaballa „beunruhigend“. Aus seiner Sicht gehe es darum, unter dem Vorwand einer Trennung von Staat und Kirche „Italien seiner Geschichte, seiner Tradition und seiner Identität zu berauben“.

(kap 04.11.2009 mg)


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